Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/92

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ich zu dir kommen, wie ein Dieb in der Nacht und alles verheeren (V. 3b), aber die Einigen will ich retten.“

 Wenn eine Kirche zur Buße kommt, wenn eine Gemeinde, eine Seele von Herzen Buße tut auch die unerkannten Sünden, die unbegriffenen Vorwürfe (des Herrn) auf sich nimmt, – dieser Kirche, dieser Gemeinde, dieser Seele ist gewiß noch zu helfen. „Solange du daran denkst, daß keine Höhe der Werkerei die Fülle eines christusmäßigen Wandels ersetzt, solange du dessen eingedenk bleibst, was du von mir gesehen hast, wie ich im Kleinen und Unscheinbaren ganz war, solange ist noch zu helfen. Deine Kraft wird sich verneuen wie vor alters.“

 So brauchen wir nur zu gedenken an unsere Anfänge, was er uns war, und es kann alles noch gut werden. „Wenn du aber auf die Fülle, auf den Ertrag deines Lebens hinweisest, wenn du sagst: „Was ist in vergangenen Jahren und Jahrzehnten alles gebaut, verschönert, verfeinert worden!“ – dann will ich dir kommen in einer Nacht, wo man die verschönerten und verfeinerten Werke nicht sieht. Wie ein Dieb will ich kommen und dir deine eingebildeten Kleinodien stehlen, und die andern besitzest du nicht mehr. Während du meinst, bei mir in Gnaden zu stehen, habe ich dich verworfen. Während du glaubst, es sei alles in bester Ordnung, ist das Todesurteil bereits gefällt. Du bist ein Mensch im reichen Schmuck deiner Redensarten, wo aber ist die Kraft? Drei Jahrzehnte und länger habe ich dich umgraben, mit meinen Tränen befeuchtet, mit meinem Blut befruchtet. Du bist ein Fruchtbaum im reichen Schmuck deiner Blätter, – wo aber ist