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„Gemach, Mister Windall! Ich weiß etwas.“

„Sie können mir helfen?“

„Ich kann.“

„Wenn es wahr wird, sollen Sie außer dem Honorar auch ein herrliches Geschenk bekommen.“

Boaster machte wieder jene unendlich vornehme Geste der Abwehr. Dann sprach er.

„Kommen Sie morgen Mittags in mein Sanatorium, Third Avenue 12. Bringen Sie mir ein von zwei Zeugen unterfertigtes Document mit, worin Sie feierlich erklären, daß Alles, was ich morgen mit Ihnen vornehme, auf Ihren Wunsch und nach Ihrem festen Willen geschieht.“

Windall lächelte freundlich.

„Ich sehe, Sie halten meinen Fall auch für hoffnungslos und wollen mich angenehm tödten.“

„Ich will Sie heilen,“ sagte Boaster gelassen. „Es kann aber nicht schaden, wenn Sie für alle Fälle Ihr Testament besorgen. Ich nehme an, daß Sie nicht erschrecken.“

„Sie nehmen richtig an.“

„Also auf morgen!“

„Auf morgen!“

Boaster stand auf: „Hm, ja – und noch Eins, Windall. Sie können auch gleich den ausgefüllten Check über die Zehntausend mitbringen.“

„Ganz recht! …“ An der Tapetenthür blieb John H. Windall unschlüssig stehen:

„Hm, ja – aber wenn Ihre Kur fehlschlägt, verfallen die Zehntausend auch dann?“

„Auch dann, Herr!“

„Und wer bürgt mir dafür, daß es kein werthloses Experiment sein wird?“

Empfohlene Zitierweise:
Theodor Herzl: Philosophische Erzählungen. Gebrüder Paetel, Berlin 1900, Seite 183. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Herzl_Philosophische_Erzaehlungen.djvu/188&oldid=3329602 (Version vom 1.8.2018)