Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/221

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

deshalb mit der ihnen fremden Weise so abquäle und abmartere, weil er ihre alte bequeme Weise nicht wisse; da freuen sie sich denn, daß der Fremde so dumm ist, und sie so klug sind, und lachen recht herzlich, welches ich ihnen denn auch von Herzen gönne.

Ich. Ich wünschte, Du kämest jetzt zu Deiner Dame zurück.

Berganza. Schon bin ich bei ihr. Meine Dame hatte die eigne Manier, alle Künste selbst treiben zu wollen. Sie spielte, wie schon gesagt, ja sie komponirte sogar, sie malte, sie stickte, sie formte in Gips und Thon, sie dichtete, sie deklamirte, und dann mußte der Zirkel ihre abscheulichen Kantaten anhören, und ihre gemalten, gestickten, geformten Zerrbilder anstaunen. Kurz vor meiner Ankunft ins Haus, hatte sie mit einer bekannten mimischen Künstlerinn, die Du oft gesehen haben wirst, Bekanntschaft gemacht, und von da an schrieb sich der Unfug her, der nun mit den mimischen Darstellungen in dem Zirkel getrieben wurde. Meine Dame war wohlgebildet, indessen hatte das herannahende Alter die an und für sich selbst schon starken Züge des Gesichts noch tiefer eingefurcht, und überdieß waren die Formen des Körpers etwas über das Ueppige heraus verüppigt, und doch stellte sie dem Zirkel die Psyche dar, und die Jungfrau Maria, und was weiß ich, für andere Götter- und Heiligengestalten.