Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/261

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Aufführung kam, vielleicht zu ängstlich besorgt, daß im Aeußern, was Dekorationen und Costume betraf, Alles ganz nach seiner Idee ausgeführt werde. Als nun eine weltberühmte und als poetisch höchst gebildet ausgeschriene Schauspielerinn, bei einem großen Theater, in seinem neuesten Stücke eine tief in das Ganze eingreifende Rolle übernommen hatte, ging er zu ihr hin, und bemühete sich recht weitläufig und deutlich ihr darzulegen, wie sie in ein langes, egyptisches, erdfarbenes, faltenreiches Gewand gekleidet seyn müsse, da er sich eben von der fremdartigen Kleidung recht viel verspreche. Nachdem er beinahe zwei Stunden hindurch ganz herrlich und tief von den bedeutungsvollen egyptischen Gewändern, und vorzüglich von dem in Rede stehenden gesprochen, ja sich selbst in einen zufällig da liegenden Shawl auf verschiedene Weise egyptisch drapirt, und sie ihm ganz geduldig zugehört hatte, erhielt er den kurzen Bescheid: „Ich will’s versuchen, steht es mir, so ist’s gut, steht’s mir nicht, so laß ich’s bleiben, und kleide mich nach meinem Geschmack.“ –

Ich. Du kennst allerdings die Schwächen unserer Bühnenhelden und Königinnen, lieber Berganza! und ich behaupte auch mit Dir, daß kein Schauspieler in der Welt im Stande seyn wird, den Mangel eines innigen tiefen Gefühls, mit dem er den poetischen