Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/94

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

wenn nur Eurem schwachen Blick der innere tiefe Zusammenhang jeder Beethovenschen Komposition entgeht? Wenn es nur an Euch liegt, daß ihr des Meisters, dem Geweihten verständliche, Sprache nicht versteht, wenn Euch die Pforte des innersten Heiligthums verschlossen blieb? – In Wahrheit, der Meister, an Besonnenheit Haydn und Mozart ganz an die Seite zu stellen, trennt sein Ich von dem innern Reich der Töne und gebietet darüber als unumschränkter Herr. Aesthetische Meßkünstler haben oft im Shakespeare über gänzlichen Mangel innerer Einheit und inneren Zusammenhanges geklagt, indem dem tieferen Blick ein schöner Baum, Blätter, Blüthen und Früchte, aus einem Keim treibend, erwächst; so entfaltet sich auch nur durch ein sehr tiefes Eingehen in Beethovens Instrumental-Musik die hohe Besonnenheit, welche vom wahren Genie unzertrennlich ist und von dem Studium der Kunst genährt wird. Welches Instrumentalwerk Beethovens bestätigt dieß Alles wohl in höherm Grade, als die über alle Maaßen herrliche tiefsinnige Sinfonie in C moll.[a 1] Wie führt diese wundervolle Komposition in einem fort und fortsteigenden Climax den Zuhörer unwiderstehlich fort in das Geisterreich des Unendlichen. Nichts kann einfacher seyn, als der nur aus zwei Takten bestehende Hauptgedanke des ersten Allegro’s, der Anfangs im Unisono dem Zuhörer


  1. Beethovens 5. Sinfonie op.67 in c-moll, komponiert 1804-08, wurde am 22. Dezember 1808 in Wien uraufgeführt. Die Stimmen und ein Arrangement für Klavier zu vier Händen wurden 1809 gedruckt, eine Partitur wurde erst 1826 veröffentlicht. Hoffmanns Artikel in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ vom Juli 1810 war eine Rezension dieser Drucke.