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hauptmann war, die mit dem heiligen Dienst betrauten Personen zu bereden, dass sie von einem Nichtjuden keine Weihegabe und kein Opfer mehr annahmen. Damit war der Krieg gegen die Römer eröffnet, weil man durch diese Maßregel auch das Opfer für die Römer und den Kaiser verworfen hatte. 410 Die dringendsten Vorstellungen der Hohenpriester und Notablen, man möge doch nicht das althergebrachte Opfer für den jeweiligen Herrscher unterlassen, fanden nur taube Ohren, woran zum guten Theil das Vertrauen auf die eigene numerische Ueberlegenheit schuld war, da sich gerade der Kern der Unzufriedenen für diese Maßregel einsetzte, am allermeisten aber die Rücksicht auf den Tempelhauptmann Eleazar.

411 (3.) Angesichts dieser Ereignisse, welche die traurige Lage bereits als höchst kritisch erscheinen ließen, hielten die jüdischen Großen mit den Hohenpriestern und den bekanntesten Pharisäern eine Zusammenkunft, um über Sein und Nichtsein der Nation zu berathen. Man kam zu dem Entschlusse, es noch mit einem mündlichen Appell an die Kriegspartei zu versuchen, zu welchem Behufe man das Volk vor dem ehernen Thore, das da von der Morgenseite in den inneren Tempelhof führte, versammelte. 412 Zunächst überhäuften hier die Vorsteher die Versammlung mit Vorwürfen, wie man nur so verwegen sein könne, an einen Abfall zu denken und die Fackel eines so entsetzlichen Krieges über die Vaterstadt hinzuschleudern. Hierauf legten sie die Haltlosigkeit des vorgeschützten Scrupels dar, indem sie darauf hinwiesen, wie ihre Ahnen den Tempel zu allermeist gerade mit Weihegeschenken von Nichtjuden geziert und zu diesem Zwecke jederzeit die von auswärtigen Nationen gewidmeten Gaben bereitwillig angenommen hätten. 413 „Unsere Vorfahren,“ sagten die Redner, „haben, weit entfernt, Jemand an der Darbringung seiner Opfer hier zu hindern, was schon die ärgste Gottlosigkeit wäre, diese fremden Weihegaben, wie man sich hier mit eigenen Augen überzeugen kann, sogar ringsherum in den Räumen des Heiligthums angebracht, wo sie schon seit alter Zeit sich befinden. 414 Ihr aber wollt jetzt auf einmal, nur um das römische Schwert aus seiner Scheide zu locken und mit Rom Händel anzufangen, in der für Ausländer bisher geltenden Gottesdienstordnung etwas ganz neues einführen und damit nicht bloß die Stadt in eine große Gefahr stürzen, sondern ihr auch noch den Schimpf der Gottlosigkeit anhängen, wenn es heißen würde, dass einzig und allein bei den Juden kein Fremder mehr Opfer darbringen, noch Gott seine Verehrung bezeigen dürfe. 415 Wollte jemand auch nur gegen einen einzelnen Menschen und zwar aus bürgerlichem Stande ein derartiges Gesetz einführen, so würdet ihr gewiss über gesetzlich normierte Unmenschlichkeit schreien,

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 202. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/202&oldid=- (Version vom 1.8.2018)