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an Nero abordnen wollte, eine Volksversammlung veranstalteten, waren zugleich mit den Griechen zahlreiche Juden in das Amphitheater geströmt. 491 Kaum war aber die Gegenpartei ihrer ansichtig geworden, als sie auch sofort laut zu schreien begannen: „Feinde, Spione!“ und dann auf sie lossprangen, um Hand an sie zu legen. Während sich nun die meisten Juden durch schleunige Flucht, der eine dahin, der andere dorthin noch retten konnten, fielen immerhin drei Männer in die Gewalt des Pöbels und wurden auf der Stelle zum Scheiterhaufen geschleppt, um lebendig verbrannt zu werden. 492 Racheschnaubend erhob sich dagegen die ganze Judencolonie, um zunächst mit Steinwürfen den Griechen zuzusetzen. Dann aber griff man plötzlich nach Fackeln und stürmte nach dem Amphitheater mit der lauten Drohung, die Bürgerschaft darinnen bis auf den letzten Mann in den Flammen zu begraben. Nur allzuschnell hätten die Juden ihre Drohung zur Wahrheit gemacht, wenn nicht der in der Stadt residierende Präfect Tiberius Alexander ihr wüthendes Gebaren vereitelt hätte. 493 Tiberius wollte sie jedoch nicht gleich mit dem Schwerte zur Vernunft bringen, sondern ließ sie zuerst durch eine Abordnung vornehmer Bürger zur Einstellung der Feindseligkeiten auffordern, widrigenfalls sie das römische Militär zum Losschlagen reizen würden. Die Verwarnung beantworteten die Aufständischen mit Hohn und Spott und mit Lästerungen gegen den Präfecten.

494 (8.) Wie nun Tiberius sehen musste, dass die revolutionären Gelüste nur in einem großen Blutbade noch erstickt werden könnten, ließ er die zwei in der Stadt einquartierten römischen Legionen und außerdem noch 5000 andere Soldaten, die eben aus Libyen in Alexandrien eingetroffen waren und durch einen merkwürdigen Zufall gerade zur Niedermetzlung der Juden rechtkommen sollten, gegen die Meuterer ausrücken, mit der ausdrücklichen Erlaubnis, nicht bloß die Juden zusammenzuhauen, sondern auch ihren Besitz zu plündern und ihre Wohnstätten niederzubrennen. 495 Die Soldaten stürmten nun den sogenannten Deltabezirk, wo die Judencolonie sich angesiedelt hatte, und vollführten die gegebenen Befehle. Doch lief das nicht ohne blutigen Widerstand ab, da die Juden in dichten Rotten, die bestbewaffneten an der Spitze, durch sehr lange Zeit sich behaupteten. Als aber einmal ihre Reihen zu wanken begannen, gieng freilich der Kampf bald in ein wildes Morden über, und das Gemetzel ward allgemein: 496 die einen wurden auf ihrer Flucht über die freie Ebene vom Tode erreicht, die anderen fanden ihn dicht zusammengedrängt in den Häusern, welche ihnen von den Römern nach vorgängiger Plünderung der im Innern befindlichen Wertsachen unter den Füßen

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 213. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/213&oldid=3333376 (Version vom 1.8.2018)