Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/336

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feindlichen Alp befreit, wieder auf; 355 die Ueberraschung der Zeloten aber war keineswegs die von Leuten, welche von Bundesgenossen im Stiche gelassen werden, sondern war im Gegentheil eine Ueberraschung von Menschen, die von unbequemen Mahnern und Gegnern ihrer Ungerechtigkeiten erlöst sind, und sie trugen den Kopf jetzt noch viel höher. 356 Denn jetzt gab es bei ihren Schlechtigkeiten gar kein Zaudern und gar keine Bedenklichkeit mehr, sondern mit größter Schnelligkeit wurden die Anschläge zu jedwedem Streiche entworfen, und der Beschluss noch rascher ausgeführt, als ausgeheckt. 357 Am meisten zogen Tapferkeit und Adel ihre mordlustigen Augen auf sich: das eine musste ihrem Neide, das andere ihrer Furcht zum Opfer fallen. Erst dann glaubten sie ganz sicher zu sein, wenn sie den letzten mächtigen Mann vernichtet hätten. 358 So ward mit vielen anderen auch Gorion hingerichtet, ein Mann von hervorragender Stellung und Abkunft, der ganz für die Volksherrschaft eingenommen und für die Freiheit, wie nur einer unter den Juden, begeistert war. Gerade diese seine hervorragenden Eigenschaften, darunter ganz besonders seine Freimüthigkeit, wurden für ihn verhängnisvoll. 359 Ja nicht einmal Niger von Peräa, der sich in den Kämpfen mit den Römern so überaus heldenmüthig benommen, entgieng ihren Mörderhänden. Als man ihn mitten durch die Stadt schleppte, erhob er wiederholt seine Stimme und ließ seine für die Freiheit erhaltenen Wundnarben sehen. 360 Vor das Stadtthor hinausgeführt, sah er endlich, dass es für ihn keine Hoffnung mehr gebe, und flehte nunmehr um ein ehrlich’ Begräbnis. Die Unmenschen aber thaten ihm noch zuvor die Grausamkeit an, ihm zu sagen, dass sie ihm gerade das, was er so sehnlich verlangte, einen Platz im Schoße der Erde, nicht gewähren würden, – dann vollbrachten sie das grause Werk! 361 Schon mit dem Tode ringend, fluchte Niger über seine Mörder die Rache der Römer, und zum Kriege noch Hunger und Pest herab und wünschte zu all’ dem, dass eines Hand gegen den andern sei. 362 Das alles hat auch wirklich Gott über die Verruchten verhängt, und was das gerechteste Gericht war, sie sollten nicht lange darauf einer gegen den andern sich erheben und einer die Tollwuth des andern verkosten. 363 Die Hinrichtung des Niger hatte nun allerdings bei den Zeloten die Besorgnis wegen ihres Sturzes verringert: dessen ungeachtet blieb aber kein Theil des Volkes von erdichteten Anklagen unberührt, die man nur zum Verderben desselben ersonnen hatte. 364 Denn war auch jener Theil, der sich irgendwie gegen ihre Pläne stützig gezeigt hatte, längst ausgemerzt, so wurden nunmehr selbst jene friedlichen Leute, die sich vor jedem Widerspruch gehütet hatten, mit entsprechenden Anklagen bedacht: wer ihnen z. B.

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 336. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/336&oldid=- (Version vom 1.8.2018)