Seite:Keyserling Wellen.pdf/155

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sie angenehm. Dann sagte sie in einem mütterlichen Tone: „Stehen Sie auf, gehen Sie nach Hause. Ich muß auch gehen; Hans erwartet mich.“ Hilmar gehorchte. Er stand einen Augenblick unschlüssig da, etwas arbeitete und kämpfte in ihm, dann wandte er sich kurz um und lief den Abhang hinab. Doralice lächelte, als sie ihm nachschaute. Sie erhob sich, fuhr sich mit der Hand über die Augen und trat den Heimweg an, jetzt wieder ruhig und getröstet.

Hans wartete schon ungeduldig auf Doralice. Mit großen Schritten ging er um den gedeckten Mittagstisch herum und schalt leise vor sich hin… „Ich komme zu spät, bist du böse?“ sagte sie, als sie eintrat. Er lächelte gutmütig: „Ja, ich war sehr böse, aber jetzt, wo du da bist, hat das keinen Sinn mehr. Agnes! die Suppe. Ich habe einen Hunger, komm, setzen wir uns.“ Agnes brachte die Suppe, sehr ernst, denn sie hatte Doralicens Zuspätkommen nicht verziehen. Sie füllte die Teller und stellte sich dann wie jeden Tag neben dem Tische auf, um aufmerksam zuzusehen, wie Hans aß.

„Nun also,“ begann Hans gut gelaunt die Unterhaltung, „wie war deine Einsamkeit oben im Heidekraute?“

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Eduard von Keyserling: Wellen. S. Fischer, Berlin 1920, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Wellen.pdf/155&oldid=- (Version vom 1.8.2018)