Seite:Kinder- und Haus-Märchen 1837 Band 2.djvu/235

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so gibts doch einen Strang.“ „Ja, das geht,“ sagte der Mann; also thaten sie das, und wie sie fertig waren, sprach er „das Garn ist nun gesträngt, nun muß es auch gekocht werden.“ Der Frau ward wieder Angst; sie sprach zwar „ja, wir wollens gleich morgen früh kochen,“ dachte aber bei sich auf einen neuen Streich. Frühmorgens stand sie auf, machte Feuer an, und stellte den Kessel bei, allein statt des Garns legte sie einen Klumpen Werg hinein, und ließ es so zukochen. Darauf gieng sie zum Manne, der noch im Bette lag, und sprach zu ihm „ich muß einmal ausgehen, steh derweil auf, und sieh nach dem Garn, das im Kessel überm Feuer steht, aber du mußts bei Zeit thun, gib wohl Acht, denn wo der Hahn kräht, und du sähest nicht nach, wird das Garn zu Werg.“ Der Mann war bei der Hand, und wollte nichts versäumen, stand eilend auf, so schnell er konnte, und gieng in die Küche; wie er aber zum Kessel kam, und hinein sah, da erblickte er mit Schrecken nichts als einen Klumpen Werg. Da schwieg er mäuschenstill, dachte er hätts versehen, und wäre Schuld daran, und ließ in Zukunft die Frau mit Garn und Spinnen immer zufrieden.

Empfohlene Zitierweise:
Brüder Grimm: Kinder- und Haus-Märchen Band 2 (1837). Dieterich, Göttingen 1837, Seite 226. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Kinder-_und_Haus-M%C3%A4rchen_1837_Band_2.djvu/235&oldid=3336949 (Version vom 1.8.2018)