Seite:Knortz-Ein amerikanischer Diogenes (Henry D.Thoreau).djvu/14

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Da Thoreau so viele Handwerke verstand, wie er Finger an den Händen hatte, so fiel es ihm auch nicht schwer, Beschäftigung zu erlangen, wenn er Geld brauchte. War Letzteres nicht der Fall, so lief er im Walde herum oder saß vor seiner Hausthür unter einem Schattenbaume und ließ sich von den Vögeln, die seine Nähe zu lieben schienen, ein Concert geben. – Abends ging er gewöhnlich am Seeufer spazieren und weckte das Echo durch sein meisterhaftes Flötenspiel.

Seine Kleidung war so einfach wie seine Wohnung. Seine Nahrung bestand aus Reis, Mais, Kartoffeln und anderen Feldfrüchten; manchmal fing er sich auch einen Fisch. Sein Getränk war Wasser.

Im Winter beschäftigte er sich hauptsächlich litterarisch. Einfache Naturmenschen, wie Kinder, Farmer, Jäger und Fischer waren ihm in seiner Hütte stets willkommen. Neugierigen Socialreformern, speculativen Philosophen, langweiligen Philanthropen und schöngeistigen Salbaderern wies er gerade nicht die Thüre, aber er zeigte ihnen dadurch das Unangenehme ihrer Gegenwart an, daß er plötzlich einem „wichtigen Geschäfte“ nachging und die an ihn gerichteten Fragen aus immer größer werdenden Entfernung beantwortete. Emerson, Alcott und Channing waren natürlich stets gern gesehene Gäste.

Da Thoreau, wie überhaupt alle seine Verwandten und Bekannten, ein entschiedener Gegner der Sklaverei war, so hat man nicht mit Unrecht behauptet, daß seine Hütte am Waldensee eine Station der sogenannten unterirdischen Eisenbahn sei, also einer Organisation diente, deren Aufgabe darin bestand, entflohene Sklaven zu unterstützen und sie auf geheimen Wegen nach dem freien Canada zu befördern. Die officielle Sanction der Sklaverei durch seinen Heimathsstaat brachte ihn so in Wuth, daß er beschloß, durch Steuerverweigerung dagegen zu protestiren. Er wollte dem Staate keine Mittel liefern, um

Empfohlene Zitierweise:
Karl Knortz: Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau). Verlagsanstalt und Druckerei A.-G., Hamburg 1899, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Knortz-Ein_amerikanischer_Diogenes_(Henry_D.Thoreau).djvu/14&oldid=- (Version vom 1.8.2018)