Seite:Knortz-Ein amerikanischer Diogenes (Henry D.Thoreau).djvu/20

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

mied er aus ihm wohlbekannten Gründen und zog es vor, sein Nachtquartier bei einem Farmer oder Fischer aufzuschlagen und sich am Heerdfeuer Geschichten erzählen zu lassen.

Wenn er mit seinem breiten Schlapphut und seinem der Mode und dem Geschmacke der übrigen Menschheit spottenden grauen Rocke an einer Farm vorbeiging, wurde er, da er als Tausendkünstler überall bekannt war, oft angegangen, einen Regenschirm oder eine alte Wanduhr zu repariren, ein Thürschloß in Ordnung zu bringen oder einer Kuh beim Kalben behülflich zu sein. Als er mit seinem Freunde Channing einst eine längere Fußtour unternahm, wurden beide ihres auffallenden Aussehens wegen längere Zeit von einem Geheimpolizisten verfolgt, der sie für entflohene Bankräuber hielt.

Als Ritter vom Regenschirm und Schnappsack reiste Thoreau auch einmal auf kurze Zeit nach Canada. Trotzdem er dort, wie er auch selber eingesteht, herzlich wenig gesehen, so schrieb er doch ein ziemlich dickes Buch darüber, das hauptsächlich deshalb großen Anstoß erregte, weil darin der Katholicismus sowie die politischen Einrichtungen Canadas unglimpflich behandelt sind.

1859 starb der Vater Thoreau’s, und der Sohn führte nun die Bleistiftfabrik im Interesse seiner Mutter und jüngeren Schwester fort.

In diesem Jahre kam auch John Brown wieder nach Concord, um im Hause Sanborn’s seine letzte Expedition gegen die Sklavenhalter in Virginien zu organisiren. Die Rede, die Thoreau späterhin über den Fehlschlag dieses Unternehmens hielt, ist ein Meisterstück ihrer Art. Als nun endlich der blutige Bürgerkrieg ausbrach und der Norden eine Niederlage nach der anderen erlebte, da war Thoreau, dessen Gesundheitszustand niemals der beste war, zum Tode betrübt und fühlte sein Ende herannahen. Auf die Frage, ob er Friede mit Gott

Empfohlene Zitierweise:
Karl Knortz: Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau). Verlagsanstalt und Druckerei A.-G., Hamburg 1899, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Knortz-Ein_amerikanischer_Diogenes_(Henry_D.Thoreau).djvu/20&oldid=- (Version vom 1.8.2018)