Seite:Knortz-Ein amerikanischer Diogenes (Henry D.Thoreau).djvu/22

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Anlagen aus, die dann, vorausgesetzt, daß der Einsiedler kein Egoist ist, nach der Rückkehr in die Gesellschaft zum Besten derselben verwerthet werden können.

Zimmermann verstand also unter dem Leben eines Einsiedlers durchaus keine von allem menschlichen Verkehr abgeschlossene Eremitenexistenz; doch er wußte recht gut, daß man sich in rauschender Gesellschaft oft viel einsamer fühlen kann, als in einer stillen Klause, in der man sich doch eingehend und ungestört mit seinen Gedanken beschäftigen kann.

Jeder Mensch sehnt sich nach individuellem Glück, einerlei, worin dies für ihn bestehen mag. Sieht er, daß die menschliche Gesellschaft dasselbe nicht befördert, sondern ihm vielmehr hemmend in den Weg tritt, so sucht er es da, wo diese Hindernisse wegfallen und nimmt dabei so wenig Rücksicht auf die Welt, wie diese auf ihn. Die Hauptfrage bleibt natürlich, wie und womit er sich in seiner Einsamkeit beschäftigt.

Christus zog sich bekanntlich zuweilen zur geistigen Sammlung in die Berge oder in die Wüste zurück, um dann später neu gestärkt an der Vollendung seines Werkes zu arbeiten. Zum Hinbrüten hinter Klostermauern hat er keinen seiner Nachfolger zu bewegen gesucht.

In der Gesellschaft muß man vieles über sich ergehen lassen; in der Einsamkeit aber ist man wirklich frei, nämlich frei von Lug und Trug und der Phrasenhaftigkeit des nur Hohlköpfe befriedigenden Alltagslebens. Philister haben niemals Langeweile, denn sie finden überall zahlreiche verwandte Seelen, deren geistloser Quatsch ihnen ein Labsal ist. Nach der Einsamkeit sehnen sie sich nur dann, wenn sie einen langen, ungestörten Schlaf thun wollen. So dürften auch wohl Mönche mehr durch angeborene Faulheit als durch religiöse Motive zu einem thatenlosen, weder ihnen noch der Welt zum Nutzen gereichenden Zellenleben geführt worden sein. Doch in der

Empfohlene Zitierweise:
Karl Knortz: Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau). Verlagsanstalt und Druckerei A.-G., Hamburg 1899, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Knortz-Ein_amerikanischer_Diogenes_(Henry_D.Thoreau).djvu/22&oldid=- (Version vom 1.8.2018)