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Nach seiner Ansicht hatte der Socialismus vorzugsweise den Zweck, entschiedenere und unabhängigere Charaktere zu bilden, als es die gegenwärtigen Verhältnisse ermöglichten. Außerdem sollte er dafür sorgen, daß Jeder an den Segnungen der Civilisation theilnehmen könne, während die Jetztzeit den Palast neben das Armenhaus gestellt habe. Thoreau wollte die Einfachheit des wilden mit dem Intellecte des civilisirten Menschen verbunden sehen. Deshalb schrieb er seine Bücher und deshalb hatte er seine Lehren am Waldensee praktisch erprobt.

Lowell sagt in einem Essay, Thoreau habe sich dadurch der Heuchelei schuldig gemacht, daß er als Einsamkeitsapostel seine Hütte in der Nähe menschlicher Wohnungen und nicht etwa 150 Meilen davon entfernt aufgeschlagen habe; er vergaß hier, daß man in der volkreichsten Stadt ebenso einsam wohnen kann wie auf einer unbesiedelten Prairie. Ferner ward ihm vorgeworfen, daß er durch seinen Aufenthalt am Waldensee die Aufmerksamkeit der Masse habe auf sich lenken wollen, was nur in grellstem Widerspruche zu seinem Charakter steht; machte doch auch Emerson Thoreau öfters den Vorwurf, daß er nicht den geringsten Ehrgeiz besäße. Thoreau wollte nicht anders sein als er in Wirklichkeit war, und deshalb ist es auch vergeblich darüber zu grübeln, was unter anderen Umständen aus ihm geworden wäre.

In seinem Werke „Walden“ klagte er, daß es dem heutigen Arbeiter versagt sei, aufrichtig, edel und rechtschaffen sein zu können, denn die Fristung seines Lebens mache ihn nothgedrungen zum Lügner, Schmeichler und Heuchler. Diese Uebelstände würden durch ein anspruchsloseres Leben leicht beseitigt.

Als Dichter, d. h. als Verfasser einiger Arbeiten in gebundener Sprache wird Thoreau ziemlich gering geschätzt; ohne Werth sind seine Gedichte jedoch nicht, wie besonders folgendes, von Emerson so hochgeschätztes, zeigt:

Empfohlene Zitierweise:
Karl Knortz: Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau). Verlagsanstalt und Druckerei A.-G., Hamburg 1899, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Knortz-Ein_amerikanischer_Diogenes_(Henry_D.Thoreau).djvu/29&oldid=- (Version vom 1.8.2018)