Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/115

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was die Mythologie ihrer Heimat von ihr zu erzählen weiß – eine Freundin derber, urwüchsiger Scherze, die auch der schwergeprüften, um ihre Tochter besorgten Demeter einst durch saftige, von unzüchtigen Gebärden begleiteten Späße ein herzhaftes Lachen abnötigte. Der alte, von Homer verewigte Trojafahrer Nestor würde der klagenden Göttin in diesem Falle wohl seinen berühmten, bis an den Rand gefüllten Doppelbecher gereicht und ihr Bacchus’ Gabe als wundersamen Balsam für das zerrissene Herz empfohlen haben. Die alte Baubo aber wußte besser, aus welchem Punkte die Frauen zu kurieren seien, und daß die gebildeten Griechen, besonders aber die Athener, überhaupt an einer schmutzigen Zote Gefallen fanden, kann man in den „Achareern“ des Aristophanes nachlesen.

Unter ihren deutschen Gesinnungsgenossinnen war also Frau Baubo am rechten Platze; das wußte sie auch, und deshalb hatte sie auch die weite Reise dahin auf einem langsamen Borstentiere, das sonst niemals zum Reiten gebraucht wird, unternommen. Man begrüßt sie also aufs freundlichste und ernennt sie, da die Deutschen stets ihre hohen Gäste mit Ehre zu überschütten pflegen, zur Anführerin der ganzen Hexenschar, trotzdem sich doch auch unter den einheimischen Unholdinnen eine hätte finden lassen, die infolge ihrer Künste, Erfahrungen und Verdienste zu jenem Ehrenposten berechtigt gewesen wäre. Und Frau Baubo nahm diese Auszeichnung als eine Huldigung an, die ihr selbstverständlich zukam; sie dankte deshalb weder mit Wort noch Blick, nicht einmal eine zweideutige Bemerkung machte sie zur Erhöhung der allgemeinen Heiterkeit. Dieses unhöfliche, allen Regeln des Anstandes spottende Benehmen muß doch gerechten Anstoß erregt haben, denn wir erfahren nicht, daß sich die deutschen Hexen weiter um sie bekümmerten oder daß sie irgendwelchen Einfluß auf den Gang der Handlung auf dem Blocksberge ausgeübt hätte. Auch Faust ignoriert sie vollständig, woraus mit Sicherheit zu schließen ist, daß sie außer mit frecher, beleidigender Selbstüberschätzung auch noch mit abstoßender Häßlichkeit behaftet war, also das griechische Schönheitsideal nicht veranschaulichte. Und Faust war doch jetzt mit dem Hexentrank im Leibe