Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/37

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Geistliche W. Halstead in seinem Buche „Life on a Bookwoods Farm“ (Cincinnati 1894), gab es im Westen Leute, welche von Farm zu Farm reisten, besonders zur Essenszeit eintraten und sich an den Tisch setzten. Dieselben blieben auch häufig über Nacht und vertrieben den Familienmitgliedern die Zeit durch Erzählen von Neuigkeiten und Spukgeschichten. Alle Farmer glaubten damals an Hexen. Wenn sich ein Pferd bäumte, wenn eine Kuh blutige Milch gab, wenn jemand beim Holzhacken ein Splitter in das Auge fuhr, wenn einer Frau das Seifenkochen nicht geriet, so hatte eine Hexe die Hand im Spiele.

Zu Marblehead in Neuengland gab es im 19. Jahrhundert eine berühmte Hexe, die im Volksmund Mammy Redd genannt wurde. Sie schickte Krankheit und Streit wohin sie wollte. Ein alter, sie betreffender Reim lautet;

„Old Mammy Redd,
Of Marblehead,
Sweet milk would turn
To mould in churn“.

Die Hexe Old Meg war besonders den Bürgern von Cape Ann im vorigen Jahrhundert verhaßt. Als während der Belagerung von Louisburg (1745) eine Krähe beständig über den Köpfen einiger Soldaten der Kolonialarmee herumflatterte und mehrmals erfolglos auf sie geschossen worden war, kam einer auf den Gedanken, daß die Krähe die alte Meg sei und feuerte zwei silberne Knöpfe auf sie ab, worauf sie tot zur Erde fiel. Um dieselbe Zeit war auch, wie mehrere geschichtliche Werke berichten, die Originalhexe zu Gloucester, einem 500 Meilen von dem Schußorte entfernten Städtchen, gestorben. In ihrem Körper wurden auch die silbernen Knöpfe gefunden.[1]

Wenn im vorigen Jahrhundert zu Hampton in Massachusetts die Kinder nur den Namen der Hexe Goody Cole hörten, so waren sie ruhig und verkrochen sich in eine Ecke. Das allgemeine Vorurteil gegen dieselbe war so groß, daß sie der dortige Bürgermeister im Interesse der Sicherheit an einem Fuße fesseln und ins Gefängnis werfen


  1. Pp. 259–60. S. A. Drake, A Book of New England Legends. Boston 1894.