Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/5

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Genannte Herren fühlten sich durch diesen Auftrag so sehr geschmeichelt, daß sie nichts Eiligeres zu tun hatten, als die lateinische Schrift Malleus maleficarum (Hexenhammer) zusammenzustellen und darin erstens die Existenz der Hexen „wissenschaftlich“ zu beweisen und zweitens genau anzugeben, an welchen Merkmalen diese zu erkennen und durch welche Torturen sie zum Geständnis zu bewegen seien.

Diese Schrift, welche tausende von unschuldigen Frauen dem Flammentode überlieferte, beruht auf der Ansicht, daß hauptsächlich das Weib sich als Werkzeug des Satans gebrauchen ließe und dem christlichen Glauben weniger zugetan sei als der Mann.[1] Nach der von den Verfassern vertretenen Ansicht soll es hauptsächlich drei Dinge, nämlich Zunge, Geistlicher und Weib in der Welt geben, die sich stets in Extremen bewegen und entweder die höchste Güte oder die höchste Bosheit anstreben. Da die Frauen Vernunftgründen schwer zugänglich seien, so gäben sie leicht den Einflüsterungen des Teufels Gehör – kurzum, sie seien, da sie aus einer krummen Rippe erschaffen, zu allem fähig.

Aber nicht nur Frauen, sondern auch unschuldige Kinder wurden des Umgangs mit dem Teufel geziehen und demgemäß bestraft; deshalb erlauben die Bewohner einiger Dörfer Tyrols noch heute nicht ihren Kindern, nach dem Abendläuten auf die Straße zu gehen, weil sie befürchten, die Unholdinnen würden alsdann Macht über sie gewinnen.[2] Dr. Charles Mackay klagt in seinem Werke „Memoirs of extraordinary popular delusious“ (London 1841) bitter über den weitverbreiteten Glauben, daß Kinder, die noch nicht einmal zwölf Jahre zählten,


  1. Femina ist nach jenen gelehrten Herren aus fe (Glaube) und mina (weniger) zusammengesetzt.
  2. Im Jahre 1566 brach unter den 70 Kindern des Waisenhauses zu Amsterdam die Besessenheit aus; die Kinder hüpften an den Wänden empor, verzerrten die Gesichter, redeten in fremden Zungen, kletterten auf Türme und sangen beständig:

    „Wir wollen von hinnen nicht gehen,
    Bis wir Bametin in Feuer sehen“.

    Die unglückliche Frau dieses Namens wurde nun wirklich als Hexe hingerichtet.