Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/59

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die Seelen behüten wolle, des Teufels Zähnefletschen aus der Tiefe beobachtet – mit leiblichen Augen, wie er ausdrücklich hinzufügt, – seine Kraft an einer armen Seele empfunden und sein Hohnlachen aus dem Abgrunde gehört zu haben.

„Das Wort sie sollen lassen stahn“ war Luthers und seiner Nachfolger Leitmotiv. Die Bibel enthielt die unfehlbare göttliche Wahrheit, und der Teufel mußte daher am Leben gelassen, seine Dienerinnen aber, die Hexen, verbrannt werden. Für die Aufklärung der Volksmasse war also die protestantische Bewegung von untergeordneter Bedeutung, vielmehr diente der Teufelsglaube zur Machtbefestigung der herrschsüchtigen Geistlichkeit. Seit jener Zeit spukt er weiter in der Konfession oder Konfusion jeder geistlichen Glaubenssekte; denn er gehört einmal in die göttliche Welteinrichtung. Ohne Böses kein Gutes, das lehren auch die Philosophen oder, wie einst ein Dorfschulmeister seinen Schülern erklärte um die Weisheit des Schöpfers zu beweisen, ohne Läuse gebe es eine Tugend, nämlich Reinlichkeit, weniger.

Da die fortschreitende Wissenschaft unbedingt in Zwiespalt mit dem herrschenden Glauben geraten mußte, so standen die Vertreter und Beförderer derselben natürlich mit dem Teufel in naher Verbindung, und die Verfolgung und Vernichtung derselben gehörte mithin zur moralischen Aufgabe der Kirche, die mit den Zauberern zugleich auch die gottlose Zauberei ausrotten wollte. Und als Zauberer galt früher jeder Gelehrte und Fortschrittsmann, überhaupt ein jeder, der sich erkühnte, durch auffallende Leistungen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

„Der Teufel bildet den logischen Gegensatz zu Gott, deshalb glaube ich steif und fest an ihn“, erklärte ein preußischer Gymnasiallehrer vor langen Jahren in seiner Schülerklasse, der ich anzugehören das zweifelhafte Vergnügen hatte. Daß dieser Philosophie-Doktor, das unverfälschteste Exemplar eines protestantischen Jesuiten, mit dem ich jemals in Berührung gekommen bin, es infolge seiner kernchristlichen Gesinnung später zum Hofprediger und Konsistorialrat eines deutschen Duodezfürsten brachte, ist leicht erklärlich. Gott verläßt die Seinen nicht, aber auch