Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/81

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Wie nun die ersten christlichen Missionare den alten deutschen Göttern allmählich ein biblisches Gewand anzogen, so versuchten sie auch, den historischen und gewohnten Volksfesten mit der Zeit einen christlichen Anstrich zu geben und sie so für das kirchliche Leben nutzbar zu machen. Eins aber brachten sie dabei nicht fertig, nämlich jenen Feiertagen ihren ursprünglichen Charakter einer der Lustbarkeit und Sorglosigkeit geweihten Zeit zu rauben. Ja, die christlichen Pfaffen hatten in einigen Ländern nichts dagegen einzuwenden, daß diese Feste in Kirchen abgehalten wurden, fiel doch auch dabei mancher Brocken und Trunk für sie ab. So erzählt z. B. Jakob Wimpfeling, daß früher bei einem Jahresfeste der Dom zu Straßburg in ein wahrhaftiges Saufhaus verwandelt wurde, daß sich dazu viel Volk aus dem ganzen Bistum einfand und sich die Nacht im Tempel des Herrn durch Weintrinken vertrieb, doch wurde dieser Mißbrauch durch das entschiedene Auftreten des Predigers Geiler von Kaisersberg 1481 abgeschafft. Solche Feste fanden auch häufig an dem den Märtyrern gewidmeten Tagen statt. Die Italiener hatten sogar ihre christlichen Narrenfeste, auf denen unter Aufsicht eines Narrenbischofs die Geistlichen in der Kirche um den Altar tanzten, Zotenlieder sangen, Karten spielten, alte Schuhsohlen in das Rauchfaß warfen und überhaupt allen erdenklichen Unfug trieben, ohne daß das Ansehen ihrer Religion dadurch geschmälert worden wäre.

In der alten Erzählung von „Sankt Peter und einem Mönch“ (abgedruckt in Schreibers „Gedichte U. von Huttens und einige seiner Zeitgenossen,“ Heidelberg 1824) erscheint ein Mönch vor der Himmelspforte, welcher den Apostel trotzig anfährt, weil er ihm nicht gleich aufmachen will. Dieser fragt ihn, nachdem er ihm den Rat gegeben, zuerst seinen Rausch auszuschlafen, nach seiner Würdigkeit. Der Mönch zählt nun seine sämtlichen Übungen auf und spricht namentlich viel vom Fasten und Kasteien. Peter wundert sich aber, wie er bei all diesen Kasteiungen doch noch so feist aussehe und verlangt nach einem Messer, um ihm den Bauch aufzuschneiden. Und siehe! da kommen Hühner, Wildpret, Fische, Eierkuchen, Semmeln, Wein und eine Menge anderer, guter Bissen heraus. Natürlich