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Vorrede.




Ein Vater hinterliess seinem Sohne einen Weinberg. Auf dem Todtenbette vertraute er ihm mit absterbender Stimme an, in dem Weinberge liege ein Schatz verborgen, „grabe, wenn Du ihn finden willst…“ Da starb er. Und der Sohn grub und grub. Er arbeitete den ganzen Weinberg um. Einen Schatz fand er nicht, nur der reiche Ertrag des folgenden Herbstes lohnte seine Mühe.

Wer kennt nicht diese Parabel, wen entzückte nicht die sinnig einfache Fassung des Gedankens, dass der Besitz, welchen die Vorzeit ihren Nachkommen überträgt, nur dann von wahrem, unvergänglichen Werthe ist, wenn er stets zu neuer Arbeit Gelegenheit gebend weiter und weiter Früchte trägt, während ein unfruchtbares Gut den Erben oft nur Quelle des Leidens geworden ist.

Die Güter des Geistes sind in diesen Worten gleichfalls gemeint. Eine Entdeckung zeigt ihren wahren Werth grade dadurch, dass sie fortwirkend stets neue Arbeit, neues Mühen, neues Erwerben möglich macht. Der grösste Entdecker ist uns der, welchem die zahlreichsten Nachkommen gefolgt sind, die alle dort ihre Hacke ansetzten, wo der letzt Vorhergehende sie ermattet niederlegte, und die jedesmal neue Früchte ihrer Thätigkeit freudig erndten durften.

Ein solcher Entdecker war Nicolaus Koppernigk.

Den Lesern dieses Werkes, Männern der strengen Wissenschaft, die meist selbst Anspruch auf die Ehre erheben dürfen Nachkommen des Thorner Astronomen in dem hier angedeuteten Sinne zu sein, brauchen wir am wenigsten die Wahrheit unseres Ausspruches zu erweisen. Ist uns doch das Gefühl nie deutlicher gewesen als grade jetzt, wo wir dem ehrenvollen Auftrage des Coppernicus-Vereins für Wissenschaft und Kunst folgeleistend diese kurze Vorrede niederzuschreiben

Empfohlene Zitierweise:
Nicolaus Copernicus: Nicolaus Coppernicus aus Thorn über die Kreisbewegungen der Weltkörper. Ernst Lambeck, Nürnberg und Thorn 1879, Seite VII. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Kreisbewegungen-Coppernicus-0.djvu/13&oldid=- (Version vom 16.5.2017)