Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/18

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über Produktionsstätten im Inlande als über Geldforderungen im Auslande verfügen zu können. Um es an einem extremen Beispiel zu zeigen: es könnte im gegenwärtigen Augenblicke dem Deutschen Reiche ziemlich gleichgültig sein, wenn die Kruppschen Werke mit französischem Leihkapital arbeiteten, sofern nur die Produktion dieser Werke der deutschen Heeresleitung zur Verfügung stünde.

Ich habe eben die erlahmende Leistungsfähigkeit der produktiven Kräfte Frankreichs zum Teil wenigstens zurückgeführt auf ein Versagen der spezifisch französischen Arbeits- und Unternehmungsbegabung gegenüber den Anforderungen einer ökonomisch rationalisierten Wirtschaft. In gewissem Sinne gilt dies auch vom heutigen England. Die ökonomisch rationalisierte Wirtschaft verlangt intensivste Arbeitsleistung und andauernde Nutzbarmachung jedes technischen Fortschrittes im Interesse größter Kostenersparnis. Im heutigen England ist die Intensität der Arbeitsleistung begrenzt durch die Gewohnheiten eines erholungsreichen Lebens, Weekend, Landleben, Sport, die längst bereits in die breitesten Schichten des Volkes mit Einschluß der Arbeiterschichten eingedrungen sind. Der andauernden Nutzbarmachung des technischen Fortschrittes steht das Erziehungsideal eines reichen Volkes entgegen, das seine mehr auf schönes Sein als auf Leistung gerichtete Jugend mit Spezialkenntnissen nicht überlasten will, und die

Empfohlene Zitierweise:
Julius Landmann: Die Kriegsfinanzen der Großmächte. Buchdruckerei zum Basler Berichtshaus, Basel 1915, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/18&oldid=- (Version vom 1.8.2018)