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Liste.png Ernst Ludwig Leithiger: Das Vogelsberger Rind und seine Zucht

nur die Ochsen sind gute Zugtiere, sondern auch die Kühe können, ohne im Milchertrage wesentlich zurückzugehen, in mäßiger Weise zum Zuge verwendet werden. Die am häufigsten vorkommenden Fehler sind: platte Rippen, abgeschlagenes Kreuz, Kuhhessigkeit. Der Taunusschlag ist veredelungsfähig und nähert sich in seiner Vollkommenheit mehr dem Vogelsberger Vieh. Als nächstes Zuchtziel wäre ins Auge zu fassen: Verbesserung obiger Fehler und Vermehrung des durchschnittlichen Milchertrages.

7. Das Odenwälder Vieh. Das im hessischen Odenwald noch heimische rote Landvieh kann kaum noch den Anspruch darauf erheben, ein selbständiger Schlag zu sein. Degeneriert, mit anderen Rassen, besonders mit Schweizer Vieh, durchkreuzt, bietet die Odenwälder Rindviehzucht ein Bild ohne jeglichen Charakter, ohne klar erkennbares Zuchtziel, obgleich sie im landwirtschaftlichen Betriebe eine hervorragende Rolle spielt. Die in neuerer Zeit gemachten Vorschläge, aus dem Kreuzungsprodukt der Simmenthaler mit Odenwäldern heraus, ein neu-odenwälder Rind zu züchten, dürften bei dem vorherrschenden Kleingrundbesitz wohl kaum Aussicht auf Erfolg haben. In einem weiteren Menschenalter wird die Rindviehzucht bei diesen Zuchtbestrebungen dasselbe Bild wie heute zeigen. Verdrängung des einheimischen Blutes durch Haltung von reinrassigen Simmenthaler Bullen, oder Rückkehr zur Zucht des Landviehes, unter Umständen mit Benutzung guter Vogelsberger Bullen, sind wohl die einzigen zum Ziele führenden Wege. Da im höheren Odenwald das Blut des Odenwälder Viehs noch vorherrscht, so dürfte der letztere Weg reiflicher Erwägung wert sein.

8. Das Harzer Vieh. Dasselbe ist einfarbig braun, hat eine weiße Schwanzquaste, das Euter ist meistens heller gefärbt. Die Schleimhäute sind fleischfarbig. Das Harzer Vieh soll nach Untersuchungen von Backhaus und Wendorff vom Vogelsberger Vieh abstammen und zwar sollen im Jahre 1630 Rinderherden aus dem Vogelsberg nach dem Harz, wahrscheinlich durch Stollberg'sche Gutsverwaltungen, gebracht worden sein. Hieraus

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Ernst Ludwig Leithiger: Das Vogelsberger Rind und seine Zucht. Emil Roth, Gießen 1896, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Leithiger_-_Vogelsberger_Rind.pdf/22&oldid=- (Version vom 1.8.2018)