Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/54

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Nr. 79. Dat grote Rad.

1. Wenn ick malins uns' Herrgott weer, min Erst, dat weer nu dat: – Ick neem soforts min Allmacht her un bugt' mi 'n grotes Rad! – En Rad, bet an den Maand so hoch un as de Sünn so rund, – De Kilometerfreters flog ick dormit up den Mund!

2. Wenn ick malins uns' Herrgott weer, min Tweetes, dat weer dat: – Ick neem min korten Büren her un fett mi up dit Rad. – Denn föhrt' ick los von Steern to Steern uns makt en Himmelsritt; – Min lüttje, smucke, dralle Deern, de müßt natürlich mit!

3. Un harr ick denn so mennig Johr an'n Himmel 'rumkarjolt, – Weer hungrig worr'n un dörstig gor, de Deern intwischen ohld, – – Denn kreeg ick't Fohr'n wull endlich satt un schreeg, so lud ick kunn: – „Leew' Herrgott, help mi vun dat Rad un doch man wedder run!“

Nr. 80. Berliner Volkslied.

1. Mein Lieb ist eine Radlerin, gebürtig zu Berlin, – Sie trägt, wenn ich nicht irrig bin, ein Kleid bis zu den Knie'n; – Doch schöner als ihr kurzes Kleid ist ihrer Strümpfe Pracht; – Mir wird das Herz vor Sehnsucht weit, wenn sie mich angelacht.

2. Sie radelt durch den Grunewald und am Kurfürstendamm, – Die blöde Menge läßt sie kalt, sie strampelt immer stramm. – Sie fährt bis in die Nacht hinein nach Sonnenuntergang, – viel Menschen stehen da und schrei'n: „Seht 'mal, da is wat mang!“

3. Ich hab' das Mädel gar zu lieb, weil sie so schneidig fährt, – Es hat der kleine Herzensdieb mir ganz den Sinn bethört; – Mir wird so weh, mir wird so bang, treff' ich sie dort allein! – Ich möcht' wohl zwei, drei Wochen lang 'mal ihr Verlobter sein!

Nr. 81. Der gute Kamerad.

1. Ich hatt' einen Kameraden, – Einen bessern find'st du nit. – Es ging zum Wettfahrtstreite, – Ich fuhr an seiner Seite – Und machte für ihn Schritt.

2. Ein Knüppel kam geflogen – Aus Bauernburschen Hand; – Ihn hat es weggerissen, – Er fiel zu meinen Füßen – vom Rade in den Sand.

3. Darf dir die Hand nicht reichen, – Mein guter Kamerad; – Kann meine Wuth nicht zügeln, – Muß erst den Lümmel prügeln, – Der dich geworfen hat!