Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/68

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106.
Mel.: Erhebt euch von der Erden oder Wenn Alle untreu werden.

1. Bedeckt mit Moos und Schorfe ein Eichbaum, hoch und stark, – Steht bei Wöbb’lin, dem Dorfe in Mecklenburger Mark; – Darunter ist von Steine ein neues Grab gemacht, – D’raus steigt im Mondenscheine ein Geist um Mitternacht.

2. Er richtet auf die Rinden des Baum’s den Blick und liest – Den Namen, der zu finden, dort eingegraben ist; – Dann sucht er mit den Händen ein Schwert, das liegt am Ort, – Und gürtet um die Lenden sich dieses Schwert sofort.

3. Langt dann nach einer Leier, nimmt sie vom Ast herab – Und setzt in stiller Feier sich singend auf sein Grab: – „Ich war im Jugendbrause ein rascher Reitersmann, – Bis hier im dunklen Hause ich Ruh’ und Rast gewann.

4. Ich war ein freier Jäger in Lützow’s wilder Schaar – Und auch ein Zitherschläger, mein Schwertlied klang so klar. – Nun reiten die Genossen allein auf ihrer Fahrt, – Da ich vom Roß geschossen und hier begraben ward.

5. Ihr mögt nun weiter traben, bis daß ihr kommt ans Ziel, – Ihr habet mich begraben, wie es mir wohlgefiel. – Es sind die beiden Lieben, die mir im Leben werth, – Im Tode mir geblieben: die Leier und das Schwert.

6. Ich seh’ auch meinen Namen, daß er unsterblich sei, – Geschnitten in den Rahmen der Eiche, schön und frei. – Es sind die schönsten Kränze gegeben meiner Gruft, – Die sich in jedem Lenze erneu’n mit frischem Duft.

7. Die Eich’ ob meinem Scheitel, wie ist der Kranz so groß! – Mein Ringen war nicht eitel, ich ruh’ in ihrem Schooß; – Man hat in Fürstengrüften bestatten mich gewollt; – Hier in den frischen Düften ihr ruh’n mich lassen sollt.“

Fr. Rückert.     
107.
Mel.: Stimmt an mit hellem, hohen Klang.

1. Bei Becherschall im Brüderkreis, wenn frohe Lieder klingen, – Da werden alle Herzen heiß und alle Fesseln springen.

2. Und aus des Lebens nied’rer Bahn, wo enge Schranken gelten, – Trägt uns Begeist’rung himmelan in schöne, freie Welten.

3. Philistersinn, Philisterblut, laßt fern von uns vermodern; – Der Funken, der im Herzen ruht, er soll zur Flamme lodern.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes. Adler’s Erben, Rostock 1900, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Liederbuch_des_Gau_19_Rostock_des_Deutschen_Radfahrer-Bundes_1900.pdf/68&oldid=- (Version vom 12.12.2020)