Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/133

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das; es gelang und er trat in einen Saal von Porphyr mit schönen Bildsäulen. Der Saal führte zu einer Treppe von Agatstufen, an den Lehnen mit Gold eingelegt. Als er die Treppe hinauf gestiegen war, kam er wieder in einen Saal, der mit den kostbarsten, hellglänzendsten Lazur ausgelegt war. An den Saal stieß eine Reihe der prachtvollesten Zimmer, in welchen Alles wohl erhalten und mit den herrlichsten Malereien und andern Kostbarkeiten versehen war.

Er kam zuletzt in ein Geheimzimmer, wo er eine Dame auf einem Bette ruhend fand, welche vollkommen dem Gemälde zu gleichen schien, das die abgehauene Hand zwischen den Fingern hielt. Sie schien im Schlummer zu liegen, aber in einem sehr unruhigen, und dem schönen Gesicht waren tiefe Züge eines dauernden Grams eingedrückt.

Mit aufmerksamer und mitleidiger Theilnahme betrachtete unser gutherzige Prinz die Schläferin. Ihre athmende Brust hob sich, und sie fing an im Schlafe zu sprechen, obwohl anfangs sehr unvernehmlich. „Denkst du, Grausamer, sagte sie in unterbrochenen Worten, ich würde dich lieben? – Dich? – hast die liebe Hand abgehauen – sie ist dir furchtbar. – – Lieben? Dich? – Nein nimmermehr! – dich! dich! dich! mein theurer Prinz – dich; ja dich wiedersehen!“

Thränen liefen über die Wangen der Schlafenden, indem sie dieß sagte. Während der Prinz sie in seinem Herzen beklagte und ungewiß war, ob er sie aus ihrem traurigen Traum erwecken sollte, erhob sich eine liebliche Musik, wie von einem Chor von Nachtigallen und Grasemücken. Gleich darauf kam, von vielen Singvögeln begleitet, ein Adler geflogen, der überaus groß war und einen goldenen Zweig in seinen Klauen hielt, besetzt mit Rubinen, welche wie Kirschen