Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/316

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so schön, das er fast blind geworden wäre, hätte er sie das erstemal allzulange angesehen. – Er kaufte sie für schweres Gold, ließ ihr die schönsten Kleider und Juweelen reichen und sie durch die Frauen in seinem Palaste drei Tage lang hintereinander durch Baden, Salben, Schminken und dergleichen, noch einmal so schön machen als sie schon war.

Nach den drei Tagen besuchte er sie in ihren Zimmern. Da saß sie mit nachläßig aufgestützter Hand am Fenster und sahe schweigend und sinnend ins Meer herab, und als der König eintrat, blickte sie denselben kaum von der Seite an, blieb in ihrer Lage und schauete fort und fort ins Meer.

„Ich bin ja der Sultan!“ sagte er zu ihr; aber sie rührte sich nicht. „Die ist dumm oder stumm,“ dachte er; was gafft denn die Närrin ins Meer, statt meine Herrlichkeit anzuschauen. Jedoch er verzieh es ihr, weil sie so wunderschön war, und tröstete sich damit, daß sie wohl schlecht erzogen sein möchte, daß aber dieser Fehler durch Hofdamen, Tanz- Sing- und Musikmeister in ein Paar Monaten leicht möchte verbeßert werden, und trat näher zu ihr.

„Sonnenauge, sagte er zu ihr, Mondesglanz, Granatblüte, Licht meiner Seele, sprich, o sprich! Ich erhebe dich zu meiner Gemahlin, aber sprich, wo bist du her? – wer sind deine glücklichen Aeltern? – wie bist du zur Sklavin entwürdigt, die du zur Königin des Himmels geboren bist? O sage es mir!“

Der König plauderte wie ein Staarmatz, der eben im guten Zuge ist, sie aber blieb stumm und gleichgültig und da mußte er denn auch endlich wohl aufhören.

„Wofür hat denn das dumme Ding ein so hübsches Schnäutzchen, wenn sie nicht damit sprechen will? sagte der Sultan halb ärgerlich, als er von ihr ging. Die Andern plaudern und schwatzen