Seite:Loens Der zweckmaessige Meyer.pdf/153

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Rehgehörn, um sofort sich dem Aquarium zu widmen oder die Blumen zu besehen oder aber auch eingehend die Nürnberger Madonna zu beschauen, die auf dem Börd steht.

Bald ist sie hier, bald ist sie da. „Sieh, da steht ja Apfelkuchen!“ Sofort macht sie sich darüber her. Er scheint ihr zu herbe ausgefallen zu sein, darum nimmt sie schnell ein wenig Streuzucker hinterher. Aber jetzt prallt sie zurück: denn Zigarrenrauch zog ihr entgegen. Tabakrauch schätzt sie durchaus nicht und so entfernt sie sich in das Nebenzimmer und vertieft sich in das Studium einer Haidlandschaft, die an der Wand hängt, besieht sich darauf den kleinen aus Palmenwurzel geschnitzten Elefanten und die Altonaer Vase, beschäftigt sich mit einer römischen Tonlampe, riecht an dem Veilchenstrauße, der auf dem Schreibtische steht und verschwindet in dem Besuchszimmer, da sie gemerkt hat, daß der Kamin brennt.

Im Salon gibt es viel Neues für sie, denn sie kommt nur selten hinein, weil es ihr dort meist zu kalt ist. Erst sieht sie die Besuchskarten durch und macht ihre Bemerkungen dabei. Dann wundert sie sich, daß die Palme nicht mehr am Fenster steht und findet es sonderbar, daß das Plaudersofa ebenfalls einen anderen Platz bekommen hat. Daß an der Tür eine Mandoline hängt, ist ihr etwas Neues, und die Notenhefte dazu hat sie auch noch nicht gesehen, ebenso wenig wie die rosaroten Strohblumen in der alten Rubinglasvase. So stöbert sie überall umher, bis sie müde wird, sich eine Ecke sucht und einschläft.

Abgesehen von ihrer Naschhaftigkeit, die aber nicht weiter unangenehm ist, da sie sehr manierlich ist und immer nur ganz wenig nimmt, und außer ihrer Neugierde, die aber auch keinen Schaden bringt, da sie nichts umwirft, benimmt sie sich im allgemeinen trotz ihrer Unrast, die aber auch nicht viel stört, da sie sehr leise ist, recht nett und wird uns so selten lästig. Sie hat allerdings ihre Zeiten und dann geht es hierin und dahin

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 147. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/153&oldid=- (Version vom 1.8.2018)