Seite:Luebische Geschichten und Sagen.djvu/142

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dem Tage, da das Bleichermädchen begraben ist, die Glocke von selbst eine Weile; auch brannten die Lichter, so lange der Galgen an der alten Stelle stand. Seitdem derselbe aber weiterhin verlegt ist, wird die Kirche zwar nicht mehr hell von Licht; aber die Glocke läutet noch, wenn man sie nur ein bischen anstößt.


73. Die Buchwalden.

1366 war im Lande zu Holstein einer von dem Geschlechte der Buchwalden; dem hatte ein Bürger aus Lübeck, Namens Morkerke, eine große Summe Geldes auf etliche Güter gethan, und forderte von den Bauern des Landes die Pächte dafür. Das hat nun die Junker gar sehr verdrossen, daß ein Stadtkerl, wie sie zu sagen pflegten, ihre kostbaren Güter besitzen sollte. Deßwegen sind sie unter sich der Sachen eins geworden und haben auf eine Zeit dem Morkerken den Weg verrannt, ihn weggeführt und gefangen gesetzt, dazu gepeinigt, gereckt, und ihm viel Marter und Muthwill angethan wider Gottes Recht und alle Billigkeit. Hieraus sind nun etliche seiner Freunde dahin gekommen, haben gebeten und für den Gefangenen sich eingestellt, daß sie ihn in die Stadt Lübeck bringen und seiner pflegen möchten: sie wollten ihn hernach lebendig oder todt wieder einliefern.

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Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/142&oldid=- (Version vom 1.8.2018)