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6. Die rasenden Weiber.

Nachdem Graf Adolf II. von Schauenburg Lübeck an der Stelle wieder auferbaut, wo es jetzt noch liegt, schloß er Frieden mit den Wenden, besonders mit Herrn Niklot von Meklenburg, dem er sich gar zum Bündniß verschwor. Nun aber rüsteten sich 1147 alle sächsischen Herren zu einem großen Kreuzzuge gegen die heidnischen Wenden, dessen sich der Graf nicht versehn. Da sich Niklot bedrängt sah, rief er die verheißene Hülfe an; aber der Graf kam nicht. Aus Rachsucht überfiel Niklot mit seinen Schaaren die aufblühende Stadt Lübeck, gerade als, vom Johannistrunk wohlbezecht, das ganze Volk im Taumel lag. Vergebens schickten die wachsamen Burgleute an den Markt und an die Trave und forderten zur Rettung auf: das Volk war nicht zu bewegen. So wurden alle Schiffe ausgeplündert und verbrannt, und an 300 Männer erschlagen; die Uebrigen, sammt Weibern und Kindern, retteten sich mit genauer Noth in die feste Burg. Diese ward von den Wenden hart berannt, auch hofften die Vertheidiger vergeblich auf Hülfe von Holstein her; aber sie schlugen, trotz aller Noth, die Stürmenden ab. Seit der Zeit begann die Verbitterung zwischen den Lübschen und Holsten.

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Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/15&oldid=- (Version vom 1.8.2018)