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129. Die kleinen Diebe henkt man wohl.

1471 auf Weihnachten kamen zwei Bischöfe als des Papstes Verordnete nach Lübeck, um das Geld zu holen, das seit 2 Jahren im Dom zur Ausrottung der böhmischen Ketzer gesammelt war.

Als aber die beiden Bischöfe mit etlichen Kapitelsherren und Rathspersonen zu dem großen Kasten kommen, befindet sich, daß Mäuse dabei gewesen, welche das heilige Geld hinweggetragen: denn es ward über 10 Mark Lüb. in dem Kasten nicht gefunden. Dessen verwunderte sich Jedermann zum höchsten, sintemal man wohl berechnen konnte, daß etliche tausend Gulden hineingelegt waren. Aber wie heilig das Geld auch immer gewesen: die Diebe haben sich darum nicht gescheut, es anzugreifen.

Der Büttel erhielt nun den Auftrag etliche gefangene Diebe abzufragen, und die gestanden denn auch der Länge nach, daß sie mit Leimruthen von oben her, wo man die Gelder eingesteckt, bis an die 12 Mark in allem herausgenommen, und das zu verschiedenen Malen.

Diese armen Diebe sind zwar gehenkt; wo aber die Tausende und die großen Diebe geblieben, findet man nirgends angemerkt.

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/244&oldid=3348953 (Version vom 1.8.2018)