Seite:Luebische Geschichten und Sagen.djvu/281

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durfte. Deshalb fragten viele von den Gesandten, nach der ersten Beredung, in den Herbergen: wo der Doctor zu Hause gehörte, und wie sein Name wäre? Wie sie aber hörten, daß es der Burgemeister von Lübeck sei, haben sie sich nicht genugsam verwundern konnen.

In derselben Verhandlung hat Herr Thomas auch den Bischof von Ratzeburg angesprochen und gefragt: ob die Stadt Lübeck an ihm verdient habe, nachdem sie ihn geherbergt und gegen den Fürsten von Sachsen in seinen Nöthen vertreten, daß er sich zu ihren Feinden geselle, und von wegen des Königs das Wort gegen die Stadt führe? Zudem habe er von Ratzeburg aus den Fürsten zu Mekelnburg der Stadt Wasser messen und tiefen lassen. Das erste hat der Bischof nicht verleugnen können; das andere hat er gar verneint; aber der Bürgermeister hat angehalten und gesagt: daß man wahrhaftige Kundschaft davon wisse. Darauf der Bischof geantwortet: wo er das gethan, müsse ihn die Hand Gottes rühren. Alsbald aber hat er den Schlag oder die Rührung bekommen, und man hat ihn auf einem Schlitten in sein Haus in der Burgstraße geführt, und er hat sein Lebenlang nicht wieder sprechen können, ist auch bald danach gestorben.

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 275. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/281&oldid=- (Version vom 1.8.2018)