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19. Hermann Barth.

Im Jahre 1201 mußte sich die gute Stadt Lübeck, vom Reich verlassen, dem dänischen König in die Hand geben. Dieser setzte einen Vogt über sie, einen strengen Ritter, den Herrn Hermann Barth. Nun war es harter Winter, daß die Pickelsteine froren, da sah er eines Abends ein armes Weib mit ihrem Kinde auf der Straße elend liegen. Sie flehte ihn an, nicht für sich, sondern für ihr kleines Kind; er aber sagte barsch: „an fremden Kindern und Hunden verliert man Kost, Arbeit und Mühe.“ Nun hatte er in der Nacht einen entsetzlichen Traum mit Heulen und Zähnklappen. Erschrocken stand er auf, weckte seine Diener, und befahl ihnen, die Unglücklichen in sein Haus zu holen. Da fand man sie erfroren. Sein Gewissen aber ließ ihm keine Ruhe, bis er das Kreuz nahm; von Stund an legte er sein Amt nieder und ging mit den Gottesrittern nach Livland, wo er Ordensmeister geworden sein soll.

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/33&oldid=- (Version vom 1.8.2018)