Seite:Luebische Geschichten und Sagen.djvu/40

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Gäste sammt der Braut ein. Da verläßt der neu angekommene Bruder den andern, um sich hochzeitmäßig anzuthun. Wie er aber in das Hinterhaus geht, wo ihm sein Zimmer der Räumte wegen bereitet, tritt er fehl, und stürzt in die Grube, dergestalt daß er, ohne sich vernehmbar machen zu können, erstickt.

Der Bräutigam inzwischen, voll Ungeduld seinen geliebten Bruder vorzustellen, läuft eilig durch den Hof nach dem Stall zu; aber da bei dem Fall des andern noch ein Brett auf dem Gange zum Gemach losgerissen ist, schießt auch er hinunter und erstickt gleichfalls.

Endlich schickt die Mutter den Jungen mit dem Licht, und dieser, vorsichtiger als die Junker, findet die Öffnung im Stall, und wird gewahr, daß dem Bräutigam unten die Füße in die Höh stehn. Da beginnt er heftig zu schrei’n, und die Mutter sowohl wie die Gäste eilen zur Hülfe herbei; aber zu spät. So ist binnen einer Stunde das uralte Geschlecht der Vorraden vergangen.

Dieser Jammer soll sich in der Ilien- oder Egidienstraße in Kalven Wohnung, nachmals Brömsen-Hof genannt, der Kirche gegenüber, nahe bei dem langen Hause der Müller, ereignet haben.

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Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/40&oldid=- (Version vom 1.8.2018)