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33. Die Kopenhagener Glocke.

Anno 1249 gedachte König Erich von Dännemark seines Vaters Woldemar Unglück zu rächen; und nahm sich deßwegen vor, die Stadt Lübeck unter seine Gewalt zu bringen. Also hielt er der lübschen Bürger viele gefangen, die auf dem Heringsfang in Schonen waren, und dachte nun dadurch zu erlangen, daß die Stadt ihn zu ihrem Herrn machen sollte. Aber die von Lübeck dachten viel anders. Denn als sie den Raub vernahmen, machten sie ihre Orlogsschiffe auf die Eile fertig, liefen damit nach Dännemark und thaten dem Könige großen Schaden, sonderlich zu Kopenhagen. Da brachen sie das Schloß in den Grund, welches vordem Bischof Absalon, der Dänen Herkules, erbaut, und zu der Zeit Seckelberg hieß. Und nahmen einen großen Raub mit und segelten davon.

Unter diesem Raubgut ist neben anderem auch eine große Glocke gewesen, die noch heutiges Tags in S. Jakobi Thurm an starken eisernen Bolzen hängt, nachdem die oberen Hänge zerbrochen. Diese Glocke wird noch die Kopenhagens Glocke genannt.

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/69&oldid=- (Version vom 1.8.2018)