Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/189

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über die gegenwärtige Kriegführung und über die ihm und seinen Truppen gestellte Aufgabe.

Unser dreitägiger Aufenthalt in den deutschen Stellungen im französischen Grenzgebiete bot uns Gelegenheit, die verschiedenartigen Formen des gegenwärtigen Stellungskrieges in einem dreißig Kilometer langen Frontabschnitt, sowie die mannigfaltigen Befestigungsanlagen, die darin ausgeführt werden, kennen zu lernen. Der Stellungskrieg, der vom Ärmelkanal bis zum Sundgau geführt wird, wechselt in seinen Formen von Abschnitt zu Abschnitt, je nach Geländegestaltung, nach der operativen Lage und der taktischen Aufgabe der Parteien. In dem einen Abschnitt gilt es, sich mit der Sappe an den Feind heranzuarbeiten, in dem andern liegen sich, nachdem diese Arbeit getan ist, die Schützenlinien in starken Erdwerken auf kurzen Entfernungen, zuweilen auf hundert, auf fünfzig Meter und sogar noch näher gegenüber. Alte Kriegsmittel, wie: Handgranaten, Minenwerfer und Feuerschlangen, die in die feindlichen Schützengräben hinüber geschleudert werden, kommen neben der Brennzünder-Granate, dem Schrapnell, dem Maschinengewehr und dem Infanteriegewehr wieder zu Ehren, und die älteste Schutzwaffe, der Schild, hat in der Gestalt des modernen, mit Schießscharte versehenen Stahlschilds, der in die Brustwehren der Schützengräben oder der Beobachtungsstände eingebaut wird, seine Wiederauferstehung gefeiert.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 185. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/189&oldid=- (Version vom 1.8.2018)