Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/199

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sahen wir da noch eine besondere Art von niedergespannten Stacheldrahtverhauen, die namentlich an solchen Stellen angelegt sind, die ein vorrückender Gegner als Feuerstellung benutzen könnte. Der Waldausgang ist an der Stelle, wo die Hauptstraße in den benachbarten Regimentsabschnitt hinüberführt, durch eine Art von Torburg geschlossen worden, die vom Regiments-Kommandeur auf den Namen Porta Westphalica getauft worden ist. Das Sperrverhau ist hier besonders stark gemacht.

Eigenartig sind die Baumkanzeln oder Schützenkanzeln, Plattformen, die in eine Baumgruppe hinter dem Waldrande eingebaut, auf Leitern erreichbar, mit Brustwehren und Schießscharten für fünf bis zehn Schützen ausgestattet und sorgfältig verkleidet sind. Sie dienen gleichzeitig als Beobachtungsstände. Als ich oben auf einer dieser Kanzeln stand, dachte ich an den Falkenhorst unseres schweizerischen Robinsons. An sinnreichen Erfindungen ist in dieser Waldbefestigung kein Ende. Oberst von V. darf besonders stolz darauf sein, daß auch diese zum Teil mit schweren Holzstämmen ausgeführten Werke ausnahmslos unter seiner und seiner Offiziere Anleitung angelegt und ausschließlich durch seine Infanteristen, ohne irgend welche Mithilfe von Pionieren, ausgeführt worden sind.

Noch stärker ist ein anderer Waldabschnitt befestigt, zu dem mich Herr General v. T. persönlich an einem anderen Tage unseres dreitägigen Besuchs hinführte. Hier allerdings haben die Pioniere

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/199&oldid=- (Version vom 1.8.2018)