Seite:Mein Freund Coy.pdf/85

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tiefsinnigen oder in Nietzsches noch schwerer verständlicheren Sätzen, in den Romanen neueren Datums wird die Seelenanalyse bis zum Erbrechen gesteigert und dabei das Tempo des Geschehens dementsprechend gebremst. Man bietet dem „Volke“ literarische Kost, die diesem „Volke“ nichts zu sagen weiß. Man behauptet, dieses „Volkes“ Geschmack „emporerziehen“ zu wollen. Das Volk kauft keine Bücher, die ihm langweilig, die seinem natürlichen Empfinden die Unnatur verraten. Ich bin weiß Gott mit übergenug Leuten aus allen Berufsklassen zusammen gekommen. Sven Hedin – ja! – so sagen sie. Aber … – doch, ich mag hier keinen der amtlich abgestempelten modernen Geistesheroen verletzen. Will nur, um zum Ausgangspunkt dieser Sätze zurückzubiegen, nochmals erklären: das erlebte Leben ist anders als es sich in den Köpfen der Kulturförderer malt! Dieses Leben kenne ich. Ihr kennt es nicht, und selbst wenn ihr jährlich zum Wintersport reist oder im Frühjahr Ägypten besucht und über die Armseligkeit der Pyramiden im Vergleich zu modernen Wolkenkratzern heimlich die Nase rümpft! Es hilft euch alles nichts: Zieht mal einen nach Tran, Tabak, Schnaps und angetrocknetem Blut stinkenden Lederanzug an und wandert abseits der Heerstraße der Zivilisation, ganz abseits, beweist erst mal, ob ihr mit euren glänzend klingenden Phrasen auch nur einen Tag in der Einöde überdauert, ohne daß euch die Hosen schlottern. Es gibt solche Kerle, die aus Eigenem schöpfen … O ja! Es gibt Schriftsteller, die nicht eine Zeile schreiben, die nicht aus ureigenster Erfahrung hervorgeholt wird … Sie sind selten. Aber sie sind Männer … – Ich bin kein

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/85&oldid=- (Version vom 1.8.2018)