Seite:OAB Sulz.djvu/122

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sog. hinteren Burg getrennt war; letztere, welche auch den Schloßgarten einschloß, zerfiel wieder in zwei durch eine Mauer getrennte Abtheilungen, von denen sich die westliche an den tiefen Burggraben anlehnte. Das Ganze war mit einer starken Mauer umfriedigt. Von diesem großartigen Bergschloß schauen jetzt nur noch die Trümmer in das freundliche Neckarthal und auf die nahe gelegene Stadt Sulz, immer noch eine Zierde der Umgegend bildend. 1

Die Burg, welche von jeher Besatzung hatte, und den Obervögten und Untervögten als Sitz, auch als Hochwache für die Stadt diente, hat im Lauf der Zeit durch Eroberung, Brand etc. öfters gelitten (eine Hauptzerstörung scheint durch die Franzosen 1688 verübt worden zu seyn. v. Martens 520, vgl. auch unten) und kam allmählig immer mehr herunter bis endlich im Jahr 1807 auch die auf derselben unterhaltenen, mit Wächtern besetzte Hochwache vollends abging. Nach dem großen Brande, der Sulz im Jahr 1794 heimsuchte, fiengen mehrere Bürger von Sulz an, das Material zum Wiederaufbau ihrer Wohnungen von den Ruinen des Schlosses zu beziehen und diese theilweise abzutragen. Dessenungeachtet ist dieselbe immer noch sehr namhaft und gehört zu den schönsten Ruinen des Königreichs. Von der Hauptburg stehen theilweise noch die vier massiven 10′ dicken Wände des ehemaligen Schlosses mit gepaarten und gedreiten Fenstern, von denen einzelne der Übergangsperiode angehören. Über dem Eingang an der Nordseite des Schlosses sind zwei sehr alte Wappen, von denen eines den Herren von Geroldseck, das andere den Herren von Urslingen angehörig, angebracht. Ein Konrad von Geroldseck hatte im Jahr 1361 eine Anna von Urselingen zur Gemahlin (Steinhofer 2, 423) und ohne Zweifel stammt auch der Eingang aus dieser Periode, indessen deuten noch manche Theile, namentlich die aus Bossagen erbauten Mauern auf ein noch höheres Alter der ursprünglichen Burg. Das Innere des Schloßgebäudes enthält außer einem Kammergewölbe noch die Überreste des ehemaligen Kamins, welches den Kaminen in den Thürmen zu Besigheim, Neipperg, Liebenstein und in dem Schleglerschloß zu Heimsheim ähnlich ist und das hohe Alter der Burg bekundet; ferner eine im früh germanischen Styl gehaltene Wandnische und tief in die Mauern eingehende Fensternischen, in welchen je zwei einander gegenüber stehende steinerne Bänke angebracht sind. In einer von diesen Fensternischen haben sich noch Reste der früheren Wandmalereien erhalten. Außer den Überresten des ehemaligen Schloßgebäudes stehen noch theilweise die Befestigungsmauern, welche das Schloßgebäude und

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Sulz. Karl Aue, Stuttgart 1863, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OAB_Sulz.djvu/122&oldid=- (Version vom 1.8.2018)