Seite:OAB Sulz.djvu/155

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Winzingen und Kleinsüßen verblieben. Zu nennen sind sonst unter mehrerem anderen: Gamertingen, Hettingen und zugehörige Dörfer nur von 1468–1524, Leinstetten (s. d.), Owingen (hechingisch) im 15. Jahrh., Geißlingen bei Balingen, Höfe zu Weildorf und Engstlatt 1434, Binsdorf (s. d.), Justingen von 1497–1530, Hohen-Entringen 1485.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Die Binsdorfer Mühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, 1/4 Stunde westlich von dem Mutterort im Bubenhofer Thal an der Stunz gelegen.

c. Die Keinbach-Mühle, mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, liegt 1/2 Stunde nordwestlich von Binsdorf an dem Keinbach.

d. Die Loretto-Kapelle mit dem Meßnerhaus liegt frei auf einer Anhöhe etwa 1/4 Stunde nördlich von Binsdorf und wird theils aus religiösem Antrieb, theils wegen der äußerst schönen und ausgebreiteten Rundsicht, die man von hier aus genießt, sehr häufig besucht. Die Kapelle ist im Jahr 1601 in einem einfachen Styl erbaut und enthält keine eigentlichen Merkwürdigkeiten. Der hier wohnende Meßner hat jeden Morgen, Mittag und Abend die Glocke zu läuten und Bittgänge gehen in der Bittwoche zur Kapelle, auch werden auf Verlangen von dem Stadtpfarrer in Binsdorf Messen daselbst gelesen. Über die Erbauung der St. Loretto-Kapelle geht folgende Sage: Ein Feldschütze aus Gruol (Kaspar Senger) denuncirte, ein Bürger habe eine Zehntgarbe gestohlen, worauf der angebliche Dieb in Haigerloch eingesetzt wurde und daselbst im Gefängniß starb. Der Denunciant beichtete später, daß er diesen Mann aus Rache verleumdet habe, worauf ihm der Geistliche erklärte, daß er ihn nicht absolviren könne und schickte ihn zum Papst, der ihm aufgab, er müsse eine Kapelle bauen und die Mittel hiezu betteln. Hierauf in die Heimath zurückgekehrt, nahmen ihn seine Mitbürger nicht auf und vertrieben ihn, worauf er nach Binsdorf kam und seine Aufgabe ausführen durfte. Auf diese Weise entstand im Jahr 1601 die Kapelle auf dem sog. Kesselberg; der Stifter blieb als Einsiedler bei der Kapelle und starb daselbst. Sein Bild ist in der Kapelle aufgehängt.

e. Das Schafhaus, 1/4 Stunde westlich vom Mutterort im Bubenhofer Thal gelegen, ist nebst 27 Morgen Wiesen Eigenthum der Gemeinde.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Sulz. Karl Aue, Stuttgart 1863, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OAB_Sulz.djvu/155&oldid=- (Version vom 1.8.2018)