Seite:OABacknang.djvu/193

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auf dem Weiler Fürstenhof von einem Weidepächter getrieben. Die Schafe (Bastarde) finden im Ort Überwinterung; den Sommer über laufen 150, den Winter über 500 Stück auf der Markung Groß-Aspach; auf der Markung Fürstenhof im Sommer 200, im Winter 400 Stücke. Die Wolle geht auf den Kirchheimer Wollmarkt, der Abstoß der Schafe geschieht auf den Schafmärkten in Heilbronn, Backnang und Canstatt.

Die Schweinezucht ist nicht unbedeutend; Ferkel werden keine von außen bezogen, dagegen ziemlich viele bayrische und hessische Läuferschweine von Händlern gekauft; man hält Land- und englische Race und deren Kreuzung; nach Backnang werden ziemlich viele Ferkel abgesetzt. Dann ist die Schweinemast zum eigenen Bedarf, wie zum Verkauf nicht unbedeutend.

Von Stiftungen sind vorhanden: 1) die Almosenstiftung, gestiftet (nach den Rechnungen in der Ortsregistratur, die aber nur bis 1655 zurückgehen) von Hanß Lang, ihr Grundstock betrug am 1. Juli 1866 7232 fl. 10 kr. 2) die Heiligenpflege, der Stifter, sowie der ursprüngliche Betrag der Heiligenpflege ist nicht bekannt, die Rechnungen gehen erst von 1731 an; ihr Vermögen bestand am 1. Juli 1866 in Gebäuden, nach dem Brandversicherungs-Anschlag 18.950 fl. werth, dann in Gütern, 41 Morgen, im Anschlag von 6544 fl. und in einem Geldgrundstock von 450 fl. Die Zinsen von dem Almosen-Vermögen verwendet man zur öffentlichen Armenunterstützung, soweit sie hierzu, abzüglich der Verwaltungkosten und der 20–25 fl. betragenden Kosten der Mädchenindustrieschule, reichen. Die Zinsen vom Heiligen-Vermögen werden zum Bau- und Unterhaltungsaufwand am Pfarrhaus nebst Zugehör, am Kirchthurm und an der Uhr, am Schulhaus und am Gottesacker so lange verwendet, als die v. Sturmfeder’sche Bau- und Unterhaltungspflicht noch nicht nachgewiesen ist.

Etwa 1/4 Stunde nördlich vom Ort führt eine Römerstraße, die einst die römische Niederlassung bei Marbach mit der bei Murrhardt verband, vorüber; sie ist auf größern Strecken noch gut erhalten, zeigt noch den Straßenwall und Reste des ehemaligen Pflasters. Zunächst an dem alten Römerweg auf der Flur Hochroth sollen nach der Sage früher Gebäude gestanden sein; ohne Zweifel stand hier ein römischer Wohnplatz.

An der Straße nach Backnang, 1/8 Stunde südöstlich vom Ort, kommen die Flurbenennungen, hinter der Kapelle, Kapelläcker, Kapellgrund, Mairich (wahrscheinlich Mäurich) vor, die auf eine hier gestandene Kapelle hinweisen; hier soll es nicht geheuer sein. Die Benennung Burgweg und zunächst dabei Bürgle lassen eine abgegangene Burg vermuthen (s. auch unten).

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart, Stuttgart 1871, Seite 193. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OABacknang.djvu/193&oldid=- (Version vom 1.8.2018)