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Oberbrüden,

Gemeinde II. Kl. mit 953 Einw., wor. 2 Kath. a. Oberbrüden, Pfarrdorf, 529 Einw., b. Heslachhof, Weiler, 45 Einw., c. Mittelbrüden, Weiler, 187 Einw., d. Rottmannsberg, Weiler, 85 Einw., e. Schmollenmühle, Haus, 11 Einw., f. Tiefenthal, Haus 14 Einw., g. Trailhof, Weiler, 52 Einw., h. Trailhöfle, Haus, 11 Einw., i. Utzenhof, Haus, 19 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Ebersberg eingepfarrt. 11/2Stunden östlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Im freundlichstillen, gegen Westen von sanft ansteigenden Feldungen, gegen Osten und Norden von bewaldeten Hügeln umkränzten Wiesenthale des südwärts ziehenden Brüdenbaches liegt Oberbrüden, ein schönes, reinliches, von üppigen Obstbäumen umgebenes Dorf. Die nahen Höhen, der obere Berg bei Oberbrüden, der Trailberg beim Trailhof, dann die Höhe im Eisach beim Hof Rottmannsberg u. s. w. gewähren einen Blick an die ganze Kette der schwäbischen Alb und westwärts bis an die Solitüde.

Die Kirche steht mitten im Ort hart am Bache, der bei seinem Anschwellen ihren Boden unter Wasser setzt, und gleicht mit ihrer Niedrigkeit und den unregelmäßigen Reihen ihrer Fensterchen auffallend einem gewöhnlichen zweistockigen Bauernhause; sie war vor 120 Jahren noch eine Kapelle und wurde durch Anbauten einigemale vergrößert; über dem vieleckigen Chorschlusse erhebt sich ein hölzerner achteckiger Thurm, der im Jahre 1866 um 10′ erhöht und mit einem Zeltdache versehen wurde. Am Südeingang steht 1724. Das flachgedeckte, starkverbaute Innere besitzt ein sehr altes Krucifix, einen schönverzierten gothischen Taufstein mit der später eingemeißelten Jahreszahl 1583 und an der Südwand ein hübsches gemaltes Renaissance-Epitaphium (vom Jahr 1582) der Gertrud, Gemahlin des Thomas Birckh, Pfarrers der Zeit zu oberen Brid. Er und seine Gemahlin und ihre sechs Kinder knieen vor dem Gekreuzigten. Am Schalldeckel der Kanzel steht 1672. Auf dem Thurm hängen zwei verzierte Glocken mit der Inschrift: Gottlib Jakob Rechlen gos mich in Stuttgardt. Anno 1745. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Stiftungspflege. Der 1843/44 um die Hälfte vergrößerte Friedhof liegt nordöstlich vom Ort auf mäßiger Anhöhe; hier stand die früher zum Sonntagsgottesdienst benützte ziemlich ansehnliche Todtenkirche, sie wurde aber als baufällig 1812 und 1813 abgebrochen, ihr Thurm erst 1834.

Das schöne, große, zweistockige, von einem Garten umgebene Pfarrhaus wurde 1793/94 erbaut und ist vom Staat zu unterhalten. Das Rathhaus, früher im Privatbesitz, ward 1841 erbaut. Das Schulhaus enthält 2 Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters; außer diesem unterrichtet noch ein Lehrgehilfe. Auf der Gesamtmarkung stehen 2 Keltern mit je einem Baum; die in Oberbrüden hat auch eine Presse.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart, Stuttgart 1871, Seite 265. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OABacknang.djvu/265&oldid=- (Version vom 1.8.2018)