Seite:OABacknang.djvu/331

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Viehhandel und Viehmastung findet statt; das Mastvieh geht nach Preußen, Frankreich und England.

Schafzucht treibt ein hiesiger Bürger, der auf der Winterweide 350–450 Stücke (Landrace) laufen läßt und im Ort überwintert.

Das Fischrecht in den beiden Bächen hat der Staat, der es gegen 1 fl. jährlich verpachtet; man fängt Forellen.

Es besteht die S. Agathen- und S. Sebastiansstiftung mit einem Vermögen von etwa 3500 fl., dessen Zinsen zu allgemeinen kirchlichen Zwecken verwandt werden.

Der Ort hat das Recht in den Monaten April und Oktober einen Krämer- und Viehmarkt, je Tags zuvor einen Holzmarkt abzuhalten.

Bei Ausrodung des Gemeindewalds „Hardt“ wurden alte Waffen und Hufeisen gefunden. Außerhalb des Ortes an der Straße nach Ebersberg stehen drei sog. Bußkreuze.

Von den zur Gemeinde gehörigen Parzellen nennen wir:

Aichholz, 1/8 Stunde südöstlich vom Mutterort im Weissachthal gelegen.

Dresselhof, liegt 1/4 Stunde nördlich von Unter-Weissach auf dem Flachlande zwischen der Weissach und dem Dresselbach.

Sachsenweiler, hat eine schöne freie Lage 3/4 Stunden nordwestlich vom Mutterort und nur 1/4 Stunde östlich von Backnang, oben an dem nicht hohen rechten Abhange gegen das Weissachthal.

Den 11. April 1245 bestätigte Pabst Innocenz IV. dem Stift Backnang dessen Besitzungen zu Unter-Weissach, zu Sachsenweiler und zu Dresselhof (Treffelbach ist wohl verschrieben für Tresselbach und in Verbindung mit dem Bache Tresselbach, Dresselbach auf Dresselhof zu beziehen). Dasselbe Stift kaufte den 1. April 1392 von dem Spital Eßlingen Zinsen und Gülten aus Häusern, Äckern und Wiesen zu Weissach (Ober-Unter?. St.-A.) und es besaß in der Folge zu Unter-Weissach den großen und kleinen Frucht-, den Wein- und im Allgemeinen auch den Heuzehenten, ein Widdumgut, erbliche Lehengüter, Hellerzinsen und Gülten (Lagerb. von 1568/9).

Unter-Weissach und Sachsenweiler gehörten zu den im Jahr 1439 von den Grafen Ludwig und Ulrich von Württemberg mit der Feste Reichenberg an die Gebrüder Nothaft verpfändeten Orten, waren wohl schon früher mit dieser Feste verbunden und bildeten später Bestandtheile des Amts Reichenberg, nur das Widdumgut und gewisse Lehengüter gehörten mit Lehenschaft, Gebot, Verbot und den Freveln von Alters her vor das Gericht des Stifts Backnang. Für die im Reichenberger und Ebersberger Amte befindlichen Orte war der Stab und das Gericht zu Unter-Weissach (Lagerb. von 1528).

Nach Weissach schrieb sich eine ursprünglich wohl badische, später württembergische Ministerialenfamilie. Zwar ist Rudolf von Ober-Weissach,

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart, Stuttgart 1871, Seite 331. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OABacknang.djvu/331&oldid=- (Version vom 1.8.2018)