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Liste.png Philon: Über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung willen (De congressu eruditionis gratia) übersetzt von Hans Lewy

von der Welt zum Weltschöpfer nicht teilgenommen hat,[1] besitzt er nur ein lahmes und unvollkommenes Wissen, das ausruht und stehenbleibt, besser gesagt, wie eine seelenlose Bildsäule erstarrt ist. 49 Denn er wandert nicht aus dem chaldaeischen Lande aus, d. h. er trennt sich nicht von der Wissenschaft der Astronomie, da er das Geschaffene höher als den Schöpfer und die Welt höher als Gott schätzt, genauer gesagt: die Welt selber für den selbstherrschenden Gott und nicht für das Werk des selbstherrschenden Gottes hält. [10] 50 Dieser führt als seine Frau die Melcha heim, die nicht etwa eine Königin ist, die über irgendwelche Menschen oder Städte regiert, sondern nur den Namen mit einer solchen gemeinsam hat. Denn wie man den Himmel als das Gewaltigste aller geschaffenen Dinge treffend den König der sinnlichen Welt nennen könnte, so auch die Wissenschaft des Himmels, die von den Astronomen und besonders den Chaldäern betrieben wird, eine Königin der Wissenschaften.[2] 51 Diese Frau (Melkah) ist nun edelbürtig, dagegen ist die nur „etwas“ vom Seienden „Sehende“, und wenn es auch das Geringste wäre, ein Kebsweib. Das edelste Geschlecht nun darf das Edelste, das wahrhaft Seiende, schauen – denn Israel bedeutet „Gott schauend“[3]. Wer sich danach um den nächsten Platz bewirbt, erblickt das Nächstedle, nämlich den wahrnehmbaren Himmel, die harmonische Ordnung seiner Sterne und deren wahrhaft musischen Reigen. 52 Den dritten Platz[4] erhalten die Skeptiker, die sich mit den gewaltigsten Dingen der Natur, den sinnlichen und intellegiblen, nicht befassen, sondern sich nur mit inferioren Geisteskunststücken abplagen und dabei

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung willen (De congressu eruditionis gratia) übersetzt von Hans Lewy. H. & M. Marcus, Breslau 1938, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloCongrGermanLewy.djvu/017&oldid=- (Version vom 28.11.2016)
  1. Diesem Gedanken liegt die (in den beiden Schriften: „Über Abraham“ und: „Über die Wanderung Abrahams“ durchgeführte) allegorische Deutung des biblischen Berichts von der Wanderung Abrahams von Charan nach Kanaan zugrunde, an der Nachor nicht teilnahm. Philo deutet dieses Faktum allegorisch dahin, daß Nachor auf der tiefsten Stufe der μάθησις, der rein sinnlichen Naturerkenntnis, stehengeblieben sei. Vgl. auch: Über den Erben des Göttlichen § 96ff. u. ö.
  2. Über Philons Stellung zur Astronomie vgl. Siegfried, Philo usw. S. 259.
  3. Der Name Israel wird von אִישׁ רָאָה אֵל‎ abgeleitet. Zur Allegorese vgl. Über die Geburt Abels § 120 Anm. 2. Über die Wanderung Abrahams § 18 und Über Abraham § 57 und Anm.
  4. Philo teilt die nach Erkenntnis strebenden Menschen in drei Klassen ein: die Gottschauenden (‘Israel’), die über die Schöpfung zum Schöpfer hinausstreben; die Astronomen, die sich mit der Naturerkenntnis begnügen; drittens die Skeptiker (Ruma).