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Liste.png Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

einen Anlauf zur Wissenschaft genommen, vorwärts wie nach dem Sprichwort „das Ross ins Feld“[1]. 23 Rechnen und Geometrie, sowie Rhythmik, Harmonik und Metrik und die gesamte Musik, wie sie in der Handhabung von Instrumenten und in mündlichen Lehren sowohl in allgemein wissenschaftlichen als auch in mehr speziellen Ausführungen sich bekundet, lehrten ihm die ägyptischen Gelehrten, ferner noch die in Symbole gekleidete Philosophie, die sie in den sogenannten heiligen Schriftzeichen (Hieroglyphen) vortragen, und die in der Verehrung von Tieren sich zeigt, denen sie sogar göttliche Ehren erweisen; Hellenen unterwiesen ihn in der andern allgemeinen Bildung und die Lehrer aus den Grenzländern in der assyrischen Literatur und in der chaldäischen Wissenschaft von den Himmelskörpern. 24 Die zuletzt erwähnte lernte er auch von den Aegyptern, die vornehmlich mathematische Studien trieben. So nahm er gründlich in sich auf, was beide lehrten, sowohl worin sie übereinstimmten, als auch worin sie uneins waren, und suchte leidenschaftslos über ihre Streitigkeiten hinwegschreitend die Wahrheit; denn sein Sinn war jedem Falsch unzugänglich, verschieden von der Sitte der Rechthaberischen, die für die aufgestellten Lehren eintreten, wie sie auch sein mögen, ohne zu prüfen, ob sie begründet sind, und ebenso handeln wie die bezahlten Sachwalter, die um das Recht nicht die geringste Sorge tragen. 25 (6.) Gleich mit dem Hinaustreten aus den Grenzen des Kindesalters strengte er sein Denken an und liess nicht wie manche den jugendlichen Begierden die Zügel schiessen, obwohl diese in dem reichen Aufwande, den das Prinzentum bietet, unzählige Reizmittel hatten, sondern hemmte gewaltsam ihr Vorwärtsstürmen, indem er sie durch Mässigung und Willensstärke gewissermassen wie durch Zügel fesselte. 26 Aber auch alle anderen Seelenstimmungen, deren jede sich selbst überlassen von Haus aus zu wahnwitzigen Ausschreitungen geneigt ist, suchte er fügsam, sanft und mild zu machen; wenn er aber irgend einmal unvermerkt auch nur in Aufregung geriet und


  1. Sprichwörtlich. Vgl. die Erklärer zu Plato Theaetet p. 183 d ἱππέας εἰς πεδίον προκαλεῖς und zu Paroemiogr. Gr. Diogen. I 65.
Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 227. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos1GermanBadt.djvu/013&oldid=3378730 (Version vom 1.8.2018)