Seite:PhiloMos2GermanBadt.djvu/056

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

zu ihrem Erzeuger, hielt er doch an sich; ihn fesselte eine andere Vorstellung, nach der die Landesanteile nur die Männer als Ehrengabe für den Heeresdienst und die bestandenen Kriege unter sich teilen sollten, dem Weibe aber seine Natur, die ihm Freiheit von solchen Kämpfen gewährt, offenbar auch keinen Anteil an den dafür ausgesetzten Kampfpreisen gibt. 237 Daher stellt er, wie billig, in diesem Schwanken und in der Unentschiedenheit seines Geistes die Lösung der Frage der Gottheit anheim, die seiner Ueberzeugung nach allein durch untrügliche und unfehlbare Beurteilung die feinsten Unterschiede zur Offenbarung von Wahrheit und Recht auseinanderzuhalten weiss. 238 Und der Schöpfer des Alls, der Vater der Welt, der Erde, Himmel, Wasser und Luft und alles, was aus jedem dieser Elemente hervorgegangen ist, zusammenhält und lenkt, der Beherrscher von Göttern und Menschen, verschmähte es nicht, verwaisten Mädchen Recht zu sprechen. Dabei gewährte er ihnen in seiner Güte und Gnade, wie er stets alles mit seinem wohltuenden Walten erfüllt, mehr noch als ein Richter gewöhnlich tut: er verkündete das Lob der Jungfrauen. 239 O Herr, wie könnte Dich jemand preisen, mit welchem Munde, mit welcher Zunge, mit welchem Werkzeug der Sprache, mit welcher Macht der Seele? Können die Sterne, zu einem Chor vereint, ein Deiner würdiges Lied singen? Kann der Himmel, ganz in Sprache sich auflösend, auch nur einen Teil Deiner herrlichen Eigenschaften erschöpfend schildern? „Was die Töchter des Salpaad gesprochen“, sagt er, „ist richtig“. 240 Wie gross dies Lob als Zeugnis Gottes ist, wer weiss das nicht? Kommet nun her, ihr Prahler, die ihr auf euer Glück so stolz seid, die ihr euren Nacken unnatürlich hoch traget und die Brauen emporziehet, bei denen das bemitleidenswerte Unglück des Witwentums von Frauen zum Gelächter und die noch mehr [p. 172 M.] Mitleid als jenes verdienende Verlassenheit verwaister Kinder zum Gegenstand des Spottes wird; 241  begreifet, dass die anscheinend so Niedrigen und Unglücklichen nicht zu den Verachteten und Unangesehenen gerechnet werden bei Gott, von dessen Herrschaftsgebiet alle die Reiche der Erde überall nur der wertloseste Teil sind, weil selbst der gesamte Umkreis

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 353. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos2GermanBadt.djvu/056&oldid=3378856 (Version vom 1.8.2018)