Seite:Predigt am fünf und zwanzig jährigen Regierungs-Feste Sr. Majestät des Königs von Baiern Maximilian Joseph.pdf/10

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deutsche Hand zum Freveln an heiligen Gesetzen und Rechten zu mißbrauchen und deutsche Regierungen daran zu hindern suchte, daß sie ihren Verordnungen und Handlungen den Stempel der Gerechtigkeit und Menschlichkeit aufdrückten! Geliebte, was für eine Prüfung mag das für einen König gewesen seyn, der sein Land liebt und der Gerechtigkeit hold ist? Was mag da des Königs Herz empfunden haben, der seinem Volke so gerne statt der Geißel des Krieges die seegnende Palme des Friedens gereicht hätte! – Und an diese herben Prüfungen für das Herz unsres Königes, wie bald reihten sich an sie andere schwere Prüfungen! Noch waren die Wunden, die immerwährende Kriege jedem Stande des Vaterlandes geschlagen hatten, nicht vernarbt; ja, was sage ich vernarbt! noch hatten sie kaum zu heilen angefangen, siehe! da erschienen die Jahre des Mangels und der Noth, wodurch beynahe die letzten Kräfte von tausenden, ohnehin schon verarmten, Familien erschöpft wurden. Und hatten kurz zuvor Tausende zum Könige gefleht, gieb uns Frieden, wehre dem Jammer des Kriegs, o so riefen nun Tausende, gieb uns Brod, steure dem Jammer der Theurung! Welch eine Prüfung für das Herz eines Königes, der das von Gott ihm anvertraute Land als ein Vaterhaus betrachtet, und die Unterthanen, die Gott ihm zu seegnen befohlen, als Eine Familie zu beglücken wünscht! Aber auch selbst dieser heutige, für ihn so hoch wichtige, Tag sollte ihm nicht ganz ungetrübt bleiben, indem vor wenigen Tagen erst der Tod ihm eine vielgeliebte, mit ihm gleich gesinnte fromme Schwester entrieß. – Aber alle diese schweren Prüfungen