Seite:Proehle Rheinlands Sagen und Geschichten.djvu/228

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herab in die Tiefe. Doch im Augenblicke fuhr der Teufel in eines zottigen Pudelhundes Gestalt ihm nach, erwischte ihn und führte seine arme Seele der Hölle zu. An dem hohen Krahne des Domes soll noch heute diese Begebenheit in Stein ausgehauen zu sehen sein.

Kein Meister fand sich, der geschickt genug war, den Bau weiter zu führen. Meister Gerhards arme ruhelose Seele schwebt dort herum. Viele Werkleute sind seitdem schon dort herab gestürzt, denn Meister Gerhard treibt dort seinen Spuk und will es nicht leiden, daß ein Unberufener sich an sein angefangenes Werk wagt. Allnächtlich macht sein Geist die Runde um den Bau, der nun und nimmermehr vollendet werden wird.

So die Sage. Friedrich Wilhelm IV. aber förderte mit hohem Eifer die Vollendung dieses Meisterwerkes der Baukunst, und unter Kaiser Wilhelm I. ward der stolze Bau des Kölner Domes glücklich zu Ende geführt. Weihrauchdüfte und heilige Gesänge steigen längst dort zu Gott empor und die mächtigen Glocken verkündigen laut den Ruhm seiner Allmacht, seiner Barmherzigkeit.

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Tonger & Greven, Berlin 1886, Seite 216. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Rheinlands_Sagen_und_Geschichten.djvu/228&oldid=- (Version vom 1.8.2018)