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Erstes Buch.
Liebe
als einzelne, vorübergehende Aufwallung, oder als Affekt betrachtet. [1]


Erstes Kapitel.
Einleitung.

Wie! Ich liebe Vergnügen und Leben, und dennoch zuweilen Schmerz und Tod! – Ich liebe das Wohl des Menschen, und liebe den Genuß der Nahrungsmittel, die Ergetzung des Auges an leblosen Gegenständen! – Ich liebe mich selbst, und wieder


  1. Es existirt in keiner mir bekannten Sprache ein Wort, das die Liebe in derjenigen Bedeutung, die ich ihr in diesem Buche gegeben habe, bestimmt ausdrückte. Das Griechische Εὔνοια, das Lateinische beneuolentia, das Deutsche Wohlwollen, bezeichnen zwar die einzelne Aufwallung des Wunsches, daß ein anderer Mensch glücklich sey. Allein sie fassen weder das Bestreben nach Beförderung dieses Glücks, noch den Charakter der Uneigennützigkeit in sich, die ich in den Begriff der Liebe mit aufgenommen habe.