Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/123

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dieser dessen Tochter aus England kommen, um sie nach seiner Willkühr zu verheirathen. [1] Er giebt sie dem Ogier. Beyde sagen, sie wollen sich in den Willen des Königs fügen, und damit trauet sie Turpin.

Ogier wird als ein wüthender, rachsüchtiger, aber äußerst religiöser Mensch geschildert. Er wird zum Strassenräuber, um sich das nöthige Geld zur Besoldung einer Armee anzuschaffen, mit der er Karln den Großen bekriegen will. Als ihm endlich sein Beleidiger, Karls Sohn, ausgeliefert wird, so will er diesem den Kopf abhauen. Alle Fürsten bitten ihn um Gnade für den Sohn ihres Lehnsherrn. Aber er versichert, daß ihn das nicht kümmere, und daß er sich rächen wolle. Er würde ihn auch wirklich umgebracht haben, wäre nicht ein Engel vom Himmel erschienen, der ihm befohlen hätte, seines Feindes zu schonen.

Ogier geräth durch eine Verrätherey der Tempelherrn in die Gefangenschaft der Saracenen. Sein Neffe, Gauthier, befreyet ihn. Dieser verliebt sich in die Tochter des Sultans von Mecca auf den bloßen Ruf von ihrer Schönheit. Bey der ersten heimlichen Zusammenkunft siegt Gauthier über ihre Unschuld. Er übernimmt nachher einen Zweykampf für die Christen, die großes Vertrauen in ihn setzen, weil er nicht bloß sehr tapfer, sondern auch sehr verliebt war. Bey dem Zweykampfe giebt ihm der Anblick seiner Geliebten neuen Muth. Als er einmahl strauchelt, richtet er sich mit dem Gedanken wieder auf, daß es ihm große Schande bringen würde, wenn seine Geliebte ihn fallen sähe, und daß sie ihn nie lieben würde.


  1. Pour la marier à son plaisir.