Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/135

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werden, und glänzende Folgen ihre Fehltritte bedecken.

Die irrende Ritterschaft erscheint hier in ihrem vollen Glanze. Die Ritter kämpfen nicht bloß im Kriege zwischen Nationen in gedrängten Haufen, in der Schlacht, sondern sie suchen einzeln Abentheuer auf, und messen ihre Kräfte mit denen anderer Abentheurer, ohne allen weitern Zweck als den, Proben ihres Muths, ihrer Stärke und ihrer Geschicklichkeit abzulegen.

Der Nahme Galanterie kommt nirgends vor. Die Weiber werden ziemlich so geschildert, wie wir sie bey Völkern auf der ersten Stufe der Kultur antreffen. Die Prinzessin Yseult von Irland versteht sich auf die Arzneykunst: sie wartet den Rittern bey Tische, ja! sogar in Begleitung ihrer Mutter im Bade auf. Wir finden mehr als ein Beyspiel von Prinzessinnen, die den Rittern zuerst Liebesanträge thun, und diese Liebe hat überall sehr materielle Zwecke. Der Vater hat ein unbedingtes Recht, die Hand seiner Tochter zu vergeben, und diese wird gar nicht um ihre Einwilligung gefragt. So verheirathet der König von Irland seine Tochter an den König Marc, und der König von Klein-Bretagne die seinige an Tristan. Die Söhne der Königin Dorcanie, Gauvain und Gahieriet, drohen ihre Mutter umzubringen, wenn sie ihr Liebesverständniß mit Lamoral de Galles fortsetzt. Telemach kann sich beym Homer gewiß nach unsern Begriffen nicht unanständiger gegen seine Mutter Penelope ausdrücken, als es hier diese beyden Ritter gegen die ihrige thun.